Made in Germany
Das Nullenergiehaus

Gedanken zu Nachhaltigkeit und Autarkie treiben Martin Buchholz schon seit seiner Kindheit an. Nach seinem Abschluss initiierte der Landschaftsarchitekt das Forschungshaus in Berlin, welches Sommer wie Winter ausschließlich mit Solarenergie beheizt wird. Nun möchte Buchholz sein Nullenergiehaus zur Marktreife führen.
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Ruhige Straßen, viel Grün und eine Viertelstunde bis ins Stadtzentrum – von einem Haus im schicken Berliner Wohnviertel Dahlem träumen viele. Martin Buchholz hat so ein Haus, doch wohnen möchte er dort auf keinen Fall. Denn momentan werden die Wohnräume regelmäßig zur Dampfsauna, gefüllt von 40 Grad heißer, feuchter Luft. Der Grund: Das Haus ist ein Labor. Buchholz erforscht hier eine neuartige Solaranlage. Mit seiner Firma Watergy möchte er die Neuentwicklung als Technikpaket für Energiesparhäuser verkaufen.

Die Nachfrage nach solchen Lösungen ist groß. „Solarthermie ist ein Renner“, sagt Andreas Lücke, Geschäftsführer des Bundesindustrieverbandes Deutschland für Haus-, Energie-, und Umwelttechnik (BDH). Und die Wachstumsaussichten seien hervorragend. 2008 habe die Branche im Vergleich zum Vorjahr um 120 Prozent zugelegt. Schon jetzt werde jeder dritte neu installierte Heizkessel mit einer solarthermischen Anlage kombiniert.

Wenn es nach Buchholz geht, werden künftig gar keine Heizkessel mehr nötig sein. „Mit unserer Technik wird man unabhängig vom Öl“, sagt er vollmundig. Seine Anlage könne die Sonnenenergie im Sommer speichern und im Winter abgeben. Die Technik sei zwar insgesamt noch im Experimentierstadium, der Prototyp im Berliner Versuchshaus aber funktioniere schon.

Wer das braun lackierte Holzhaus mit der Glasfront betritt, der fühlt sich zunächst wie auf einer Baustelle. Plastiktanks stehen herum, Schläuche und Kabel laufen, mit Klebeband fixiert, quer über den Boden. Statt Lampen hängen graue Plastikzylinder von der Decke – Messinstrumente, die Temperatur und Luftfeuchtigkeit aufzeichnen. Ein schwarzer Schacht – das Herzstück der Anlage – beherbergt komplizierte Rohrsysteme, elektronische Steueranlagen und einen Luftkanal.

„Der Energietransport dieser Solaranlage ist besonders effizient“, sagt Buchholz. Der Trick: Die Energie wird nicht über eine erwärmte Flüssigkeit, sondern über die Verdunstung und Kondensation von Wasser übertragen. Die überschüssige Energie speichert das System in speziellen Tanks für den Winter – eine Salzlösung wird durch Verdunstung aufkonzentriert. Bislang gebe es solche Energiespeicher nur als riesige Zisternen, die erwärmtes Wasser speichern, sagt Buchholz. Das lohne sich nur für die Versorgung ganzer Wohnsiedlungen. Die Salztanks seien dagegen klein genug, um sie problemlos – auch nachträglich – in Einfamilienhäusern zu installieren.

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