Nachhaltiges Wirtschaften
Geschlossener Kreislauf

Vom Rohstoff bis zum Recycling - Unternehmen bewerten ihre Umweltaktivitäten neu.
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BerlinDer Lebensmittelkonzern Danone will seinen Energiehunger zügeln. Die CO2-Emissionen pro Kilo Produkt sollen bis zum Ende dieses Jahres um 30 Prozent sinken - Referenz ist das Jahr 2008. Wird die Vorgabe verfehlt, bekommt das jeder Danone-Manager auch finanziell zu spüren. Denn das Reduktionsziel ist ein Faktor, der über die Höhe der Vorstandsvergütung mitentscheidet.

Schon vor drei Jahren wurde das CO2-Projekt beschlossen, nun macht Danone Tempo. Seit März hilft eine Software des IT-Konzerns SAP, belastbare Aussagen über den Fortschritt beim Klimaschutz zu erhalten. Das Programm ermittelt den sogenannten CO2-Fußabdruck von 35.000 Produkten über deren gesamten Lebenszyklus.

Ende 2012 soll eine Klimabilanz für Erzeugnisse vorliegen, die 70 Prozent des Danone-Umsatzes ausmachen. Die Ergebnisse sollen alle Mitarbeiter dafür gewinnen, sich für das Emissionsziel einzusetzen, sagt Myriam Cohen-Welgryn, General Manager Nature des Nahrungsmittelherstellers.

Mit dem übergreifenden Ansatz steht Danone für einen Trend bei der Bewertung von Klimaschutzaktivitäten. Zunehmend gehen Unternehmen dazu über, alle Produktionsschritte von der Rohstoffbeschaffung bis zur Verwertung des Abfalls einzubeziehen. Denn Verbraucher und Anleger machen Druck.

Sie hinterfragen den vermeintlichen Ökokurs der Wirtschaft und wollen genau wissen, wie stark sich ein Unternehmen tatsächlich für die Umwelt engagiert. Oft stellen sie bei den als ganzheitlich postulierten Ansätzen noch Schwachstellen fest.

Als eines der ersten Unternehmen betrachtet der britische Konzern Reckitt Benckiser (RB), einer der weltweit führenden Hersteller von Hygiene- und Haushaltsartikeln, die CO2-Bilanz über den gesamten Produktlebenszyklus. Das Unternehmen kann schon Zahlen liefern: Seit 2007 sei es gelungen, den CO2-Ausstoß je Packungseinheit um 21 Prozent zu verringern.

Das für 2020 angepeilte Ziel wäre damit bereits erreicht. Experten aber hinterfragen derartige Reduktionsziele durchaus kritisch: Wurden sie eventuell zu niedrig und zu wenig ehrgeizig angesetzt, um sich rasch mit einem Erfolg brüsten zu können?

Nur drei Prozent der klimaschädlichen Emissionen entstehen laut RB bei Herstellung und Vertrieb, jedoch zwei Drittel bei der Nutzung des Produkts. Für ein Viertel sind Rohstoffe und Verpackungen verantwortlich. Um auch außerhalb der eigenen Werkhallen die Umwelt zu schonen, kooperiert RB mit Zulieferern und hält Verbraucher an, Produkte sparsamer zu nutzen.

Hauptproblem aber ist der sogenannte Rebound-Effekt: Ein starkes Wachstum des Unternehmens frisst die produktbezogenen Effizienzgewinne meist auf. So auch bei RB: Dort stiegen die CO2-Emissionen von 2007 bis 2011 um neun Prozent.

Vorstandschef Rakesh Kapoor hat das Problem erkannt: "Ziel ist, das Geschäftswachstum von den Auswirkungen unserer Produkte zu entkoppeln, so dass unser Umsatz schneller wächst als unsere Emissionen", schreibt er im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht, den die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC testiert hat.

In Deutschland hat beispielsweise die Berliner Beratungsfirma Thema1 die Messung und Verringerung des CO2-Fußabdrucks bei zahlreichen Unternehmen vorangetrieben. Doch dies ist nur ein Baustein der überzeugenden Klimastrategie.

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