Ölsande
Kanada presst das Öl aus seinen Böden

Kanadas Ölreichtum gehört zu den treibenden Kräften der Wirtschaft. Das Problem dabei: 174 Mrd. Barrel des schwarzen Goldes sind in Ölsanden gebunden. Sie können nur durch ein teures und die Natur belastendes Verfahren erschlossen werden. Umweltschützer sind äußert skeptisch.

OTTAWA. Wer in Fort McMurray ein Haus kaufen will, sollte nicht zu lange zögern. „Man muss schnell sein und reagieren“, erklärt Marc Taplin, Immobilienmakler bei Century 21. Denn die Stadt im Norden Albertas, die vor wenigen Jahrzehnten noch ein verschlafenes Nest war, ist heute das Zentrum der kanadischen Ölsandindustrie und zieht jährlich Tausende Menschen an. „Wir haben einen erheblichen Mangel an Wohnhäusern“, sagt der Makler. Ein Haus, das vor zehn Jahren noch 100 000 Dollar kostete, kann heute mehr als 500 000 Dollar wert sein.

Fort McMurray ist ein Symbol für Kanadas Energie- und Rohstoffreichtum. Milliardeninvestitionen der Ölindustrie haben den Ort inmitten des Athabasca-Ölfelds zu einem „Hotspot“ gemacht. Und die Infrastruktur hält mit dem Boom nicht Schritt. Umgerechnet rund 245 Mill. Euro will die Provinzregierung von Alberta in den kommenden drei Jahren in neue Krankenhäuser, Wohnhäuser und den Ausbau der Kanalisation stecken, um einen Kollaps in der Boomtown zu verhindern.

Der Ölreichtum gehört zu den treibenden Kräften der kanadischen Wirtschaft. Vorsichtig geschätzt, werden die zugänglichen Reserven auf 179 Mrd. Barrel veranschlagt. Kanada rangiert damit auf Platz zwei hinter Saudi-Arabien.

Das Problem: 174 Mrd. Barrel sind in Ölsanden gebunden und können nur durch ein teures und die Umwelt belastendes Verfahren erschlossen werden. Der schwere, schwarze Ölsand wird entweder im Tagebau abgebaut, oder das Öl wird direkt gewonnen, indem es bereits im Boden durch heißen Dampf verflüssigt und abgepumpt wird. Beide Abbaumethoden erfordern aber weitere chemische Prozesse, bevor das Produkt als synthetisches Öl vermarktet werden kann.

Nachdem im Februar 1947 in der Gemeinde Leduc in Alberta Öl entdeckt wurde, konzentrierte sich die Industrie lange auf die konventionelle Förderung mit Bohrtürmen und Brunnen. Erst mit der weltweit steigenden Nachfrage und einem Anstieg des Ölpreises auf über 40 oder 50 Dollar pro Barrel erschien es lohnend, auch den „Teersand“ im Norden Albertas auszubeuten. Firmen wie Syncrude und Suncor, Petro Canada, Shell, Exxon und Texaco erwarben entsprechende Lizenzen.

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