Poopó-See in Bolivien
Der See weicht der Wüste

Der zweitgrößte See Boliviens ist vollständig ausgetrocknet. Die Regierung macht den Klimawandel für den mangelnden Wassernachschub des Poopó-Sees verantwortlich. Eigene Fehler will sie nicht eingestehen.

UntaviVom einst zweitgrößten See in Bolivien ist nicht mehr viel zu sehen: Verlassene Fischerboote liegen auf dem Trockenen in der gleißenden Sonne, Käfer machen sich über tote Vögel her, Möwen zanken um die letzten Leckerbissen. Der Poopó-See wurde im letzten Monat offiziell für ausgetrocknet erklärt.

Zwar trocknete der Salzsee auch in der Vergangenheit schon aus und erholte sich dann doch wieder. Dieses Mal rechnen Wissenschaftler aber nicht mit einer Regeneration.

„Das liefert ein Bild von der Zukunft des Klimawandels“, erklärt Dirk Hoffmann, ein deutscher Forscher am Bolivian Mountain Institute. Er untersucht, wie die steigenden Temperaturen das Abschmelzen der Gletscher in Bolivien beeinflussen. In den halbtrockenen Anden, auf einer Höhe von 3700 Metern, liegt auch der Poopó-See – oder nun der Sumpf, der noch von ihm übrig ist.

Mit den Gletschern der Anden verliert der Poopó auch seine Wasserquellen. Aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle beim Verschwinden von Boliviens zweitgrößtem See nach dem Titicaca. Als wichtigster Treiber gilt die anhaltende Dürre, ausgelöst vom Wetterphänomen El Niño. Aber auch die Umleitung von Wasser aus den Zuläufen des Poopó, hauptsächlich für den Bergbau, trug zur Austrocknung bei.

Hier gibt es keine Zukunft

Und so haben in den vergangenen drei Jahren mehr als 100 Familien ihre Schafe, Lamas und Alpakas verkauft und ihre Fischernetze an den Nagel gehängt. Sie sind weggezogen aus Untavi, dem Ort, der einst am Seeufer lag und heute nur noch halb so viele Einwohner hat wie damals.

Zurückgeblieben sind nur die Alten. „Hier gibt es keine Zukunft“, erklärt Juvenal Gutiérrez, der ebenfalls wegging und nun in einem nahegelegenen Ort als Fahrer eines Motorradtaxis arbeitet.

Die Archive über die Geschichte des Sees reichen nur 100 Jahre zurück und auch genaue Daten darüber, wie viele Menschen wegen der Trockenheit ihre Heimat verließen, liegen nicht vor. Mindestens 3250 Menschen erhielten jedoch bereits Hilfe zum Überleben, wie die Behörden erklären.

Derzeit beträgt der Wasserstand des Poopós noch zwei Prozent seines ursprünglichen Pegels, wie Gouverneur Victor Hugo Vásquez sagt. Einst erreichte der See eine Tiefe von bis zu fünf Metern. Biologen berichten, 75 Vogelarten seien aus dem Gebiet verschwunden.

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Dürre bedroht das gesamte Andenhochland

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