Stadtentwicklung
Zukunftsmodell Megastadt

Das urbane Wachstum ist unumkehrbar. Immer mehr Menschen drängen in die Städte, Megazentren wie Delhi, Mumbai oder Sao Paulo stehen schon heute vor enormen Herausforderungen bei der Bewältigung des unkontrollierten Wachstums. Doch es gibt auch positive Vorbilder, die zeigen, dass die Zukunft der Megastädte nicht unbedingt eine traurige sein muss.

SAO PAULO. Wer nach Sao Paulo fliegt, landet auf einem Flughafen, der zu einer "Vorstadt" der brasilianischen Metropole gehört. Nimmt man ein Taxi Richtung Zentrum, ist man je nach Verkehrslage schon mal eine Stunde oder mehr unterwegs, vorbei an Favelas, den informellen Siedlungen der Armen, hindurch zwischen unzähligen ewig gleichen Hochhäusern, aber auch Apartmentgebäuden mit Sicherheitsdienst und Swimmingpool, entlang eines begradigten, mit Müll und Schaum bedeckten, toten Flusses, und immer inmitten einer sich nur langsam bewegenden Verkehrslawine.

Auch wenn die derzeit etwa zwei Dutzend so genannten Megastädte - urbane Ansammlungen von Menschen und Gebäuden mit mehr als 10 Millionen Einwohnern - sich in vielem unterscheiden, erfährt man in Sao Paulo sehr schnell, was die meisten von ihnen gemeinsam haben: Eine Megastadt ist groß und dicht besiedelt, und sie passt nicht in die gewohnten Dimensionen. Jene Airport-Vorstadt namens Guarulhos etwa ist schon, wenn man die offizielle und sicher etwas zu niedrig geschätzte Einwohnerzahl von 1,3 Millionen zugrunde legt, größer als München, die drittgrößte Metropole Deutschlands.

Die Bevölkerungsdichte ist hoch, die sozialen Unterschiede - vom per Hubschraubertaxi reisenden Geschäftsmann bis zum elternlosen Straßenkind in der Favela - sind extrem. Die Probleme mit Kriminalität, Verkehr, Wasserver- und entsorgung und Umweltverschmutzung und der Anteil dessen, was nirgends offiziell dokumentiert wird - vom nirgends registrierten Menschen bis hin zu Produktion und Handel im so genanten "informellen Sektor" - sind es ebenfalls.

Die Tatsache, dass in jenen im soziologischen Fachbrasilianisch "megaurbane Agglomerationen" genannten Gebieten vieles nur geschätzt werden kann, macht es zu einer oft unlösbaren Aufgabe, sie zu verwalten oder gar ihre Zukunft zu planen. Und dort, wo dies trotzdem mit großen Visionen und Portemonnaies passiert, passiert es oft auf Kosten der bisherigen Bewohner. In Dharavi etwa, dem durch den mit acht Oskars ausgezeichneten Film "Slumdog Millionaire" bekannt gewordenen Slum in Mumbai, sollen Millionen Menschen aus Hütten in Hochhäuser umgesiedelt werden. Viele von ihnen würden dadurch aber ihre Lebensgrundlage verlieren, etwa die Laufkundschaft für ihre kleinen Geschäfte oder Werkstätten.

In Beijing oder Shanghai kann es passieren, dass man an einem Tag an einem Viertel mit alten Häusern voller Menschengewusel vorbei fährt, aber eine Woche später sich dort schon eine planierte Baufläche breit macht, und wieder zwei Wochen später dort schon mehrere, von Bambus-Baugerüsten eingefasste Etagen aus Beton stehen. Wohin all die Menschen, die vorher dort wohnten, plötzlich sind und wovon sie jetzt leben, weiß, wenn überhaupt, allein die Partei.

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