Streit um Ökofolgen
Was tun mit der Biomasse?

Öko-Kraftstoff oder Lebensmittel: Die weltweite Debatte über Bioethanol und Biodiesel verschärft sich. Manche Bioenergie aus nachwachsenden Rohstoffen hat eine schlechte Klimabilanz. Ein massiver Ausbau birgt beträchtliche ökologische und soziale Gefahren.

BERLIN. Sprit, Strom und Wärme kommen vom Acker oder aus dem Wald - diese Vision gefällt den EU-Staats- und Regierungschefs. Sie setzten sich im März einmütig das Ziel, den Anteil von Biodiesel und Bioethanol am Kraftstoff auf wenigstens zehn Prozent zu erhöhen.

Überall auf der Welt, insbesondere in den USA und in Brasilien, steigern Bauern ihre Mais-, Soja-, Raps- und Getreideproduktion um zweistellige Raten, nur um von der rasant steigenden Nachfrage nach Biokraftstoffen zu profitieren. In Deutschland entsprach die Produktionskapazität für Biodiesel Ende 2006 etwa 15 Prozent des gesamten Dieselverbrauchs, so der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie. Die Kapazitäten für Bioethanol, der Alternative zum Ottokraftstoff, sind zwar geringer, wachsen aber stark.

Die Forschung arbeitet an "Biomass-to-Liquid"-Kraftstoffen (BTL), die auch Holz, Pflanzenfasern und Stroh in Kraftstoff verwandeln. Zwar rechnet das Leipziger Institut für Energetik und Umwelt mit marktrelevanten Mengen erst in zehn Jahren, doch könnte das Potenzial der Kraftstoffe der zweiten Generation enorm sein. Sie können den CO2-Ausstoß um bis zu 90 Prozent vermindern, heißt es bei Shell.

Doch der Boom der Biomasse ruft Kritiker auf den Plan. Manche Bioenergie aus nachwachsenden Rohstoffen hat eine schlechte Klimabilanz. Ein massiver Ausbau birgt beträchtliche ökologische und soziale Gefahren. Davor warnen Klimaexperten der kalifornischen Stanford-Universität, der Schweizer Energiestiftung SES und der OECD.

Zum Teil ist Bioenergie gar schädlich - wenn zum Beispiel indonesische Urwälder für Palmölplantagen gerodet werden, die auch deutsche Heizkraftwerke bedienen. Wenn meterdicke Torfschichten trockengelegt werden, aus denen gewaltige Mengen CO2 entweichen. Oder wenn Monokulturen energieintensiv hergestellter Pflanzenschutz- und Düngemittel bedürfen und bei Anbau und Destillation zu Bioethanol mehr CO2 als beim Benzinverbrauch entsteht.

Was die USA als Durchbruch in der Umwelttechnik feiern, bedroht überdies die Ernährungssicherheit und den sozialen Frieden, unter anderem in Mexiko. Seit Monaten verkaufen US-Bauern Mais kaum mehr dorthin, sondern an besser zahlende heimische Biosprithersteller. Doch Mais-Tortillas sind Hauptnahrungs-mittel der Mexikaner. Sie können sich so schnell nicht selbst versorgen. Denn als sie 1994 den Freihandel mit den USA eingingen, brach die heimische Maisproduktion zusammen, da subventionierte US-Bauern Mais viel billiger anboten.

Seite 1:

Was tun mit der Biomasse?

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%