Unglück in Japan
"Erdbebengefahr auch in Süddeutschland"

Drohen auch für Deutschlands Kernkraftwerke Gefahren durch Erdbeben? Mit dem Physiker Christian Küppers, stellvertretender Bereichsleiter Nukleartechnik und Anlagensicherheit beim Öko-Institut, sprach das Handelsblatt.
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Herr Küppers, wie gut sind die 17 Kernkraftwerke in Deutschland gegen Erdbeben geschützt?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Die Anforderungen an die Erdbebensicherheit orientieren sich an der Erdbebengefährdung des jeweiligen Standorts.

Gibt es denn große Unterschiede hinsichtlich der Erdbebengefährdung innerhalb Deutschlands?

Die Unterschiede sind erheblich. Während die Erdbebengefährdung in Norddeutschland als sehr gering zu bewerten ist, gibt es im Süden durchaus eine Erdbebengefahr. Das gilt insbesondere für die Schwäbische Alb und den Rheingraben zwischen Mainz und Basel. Im Bereich des Rheingrabens stehen mehrere Reaktoren.

Eines der letzten größeren Erdbeben in Deutschland hat es aber nicht im Süden gegeben, sondern im Nordwesten, im Raum Aachen/Maastricht.

Das stimmt. Auch diese Region ist als erdbebengefährdet bekannt, dort liegen aber keine Kernkraftwerke.

Wie ernst hat man bei der Genehmigung deutscher Kernkraftwerke das Thema Erdbebensicherheit genommen?

Die Anforderungen sind kontinuierlich hochgeschraubt worden. Daher gilt auch, dass jüngere Reaktoren beim Bau grundsätzlich besser gegen Erdbeben geschützt wurden.

Lässt sich die Erdbebensicherheit eines Kernkraftwerks nachträglich verbessern?

Ja, das geht durchaus. Und es ist in Deutschland auch bereits geschehen. Allerdings sind der Nachrüstung natürlich Grenzen gesetzt.

Wird das Thema Überflutung bei der Genehmigung eines Kernkraftwerks berücksichtigt?

Ja. Es werden gravierende Hochwasser-Situationen in die Berechnungen für die Auslegung einer Anlage einbezogen.

Welche Folgen hätte eine Überflutung?

Eine Überflutung ist nicht mit dem Tsunami in Japan zu vergleichen. Eindringendes Hochwasser könnte zwar zu Komplikationen führen, weil es etwa Kurzschlüsse auslösen könnte. Eine Tsunami-Welle hat aber eine ganz andere Wirkung. Die Wucht wirkt brutal auf eine Anlage ein. Vergleichbare Situationen sind nur beim Bruch einer Staumauer zu befürchten.


Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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