Windkraftanlagen
Lärmkiller für Windräder

Windräder produzieren Strom und Lärm. Stehen Windkraftanlagen in der Nähe einer Siedlung, dürfen sie auch bei starkem Wind nicht zu laut werden. Nun haben Forscher die Dämpfung für Windräder weiterentwickelt - gezielte Gegengeräusche sollen die Anlagen für Wohngebiete erträglich machen.

DÜSSELDORF. Die meisten Anlagen schonen Nachbars Ohren, dennoch kann es trotz sorgfältiger Konstruktion vorkommen, dass Lärm entsteht: zum einen durch die Bewegung der Rotorblätter, zum anderen durch Zahnräder, die Schwingungen im Getriebe hervorrufen. Die Geräusche werden an den Turm des Windrads weitergeleitet und dort großflächig abgestrahlt - die Anwohner nehmen sie als Brummgeräusche wahr.

"Ähnlich wie beim Surren einer Mücke empfindet man diese Einzeltöne als besonders störend", beschreibt Holger Kunze, Abteilungsleiter am Fraunhofer für Werkzeugmaschinen-Institut und Umformtechnik (IWU) in Dresden, das Problem. Kunzes Team hat nun eine Technik entwickelt, mit der diese Geräusche auch bei neueren Anlagen beseitigt werden können - und zwar auch nachträglich.

Bislang gibt es nur eine Konsequenz: Windkraftanlagen, die zu laut brummen, dürfen nur unter Teillast betrieben werden. Sie drehen sich langsamer und erzeugen weniger Strom. Wenn auch das nichts hilft, müssen die Betreiber zusätzliche Dämpfungssysteme einbauen oder sogar das Getriebe wechseln. Letzteres kann leicht bis zu 150 Tausend Euro kosten - eine teure Angelegenheit.

Bisherige sogenannte passive Dämpfungssysteme funktionieren nur mit älteren Anlagen. "Sie schlucken nur Geräusche einer bestimmten Frequenz", sagt Kunze. Da moderne Windkraftanlagen ihre Drehzahl an die Windstärke anpassen, um möglichst viel Strom zu erzeugen, variiert auch die Frequenz der Brummgeräusche: Trotz Dämpfung würden Brummtöne in die Umgebung dringen.

Die Forscher des IWU haben die Dämpfung für die Windräder daher weiterentwickelt. "Wir haben die bewährte Lösung intelligenter gemacht", sagt Kunze. Diese reagiert selbstständig auf Frequenzwechsel und dämpft Geräusche - egal wie schnell sich die Windenergieanlage dreht. Sogenannte Piezoaktoren erzeugen dabei eine Art Gegenlärm, der den Schwingungen des Windrads genau entgegengesetzt ist und diese quasi auslöscht.

Die Schwingungsdämpfer, die im Labor funktionieren, müssen nun noch in der Praxis getestet werden. Wenn ein Windanlagenbetreiber für die Tests gefunden ist, könnten erste Versuchsergebnisse bereits in einem halben Jahr vorliegen. "Wir sind zuversichtlich, dass die Technik auch bei großen Anlagen funktioniert", sagt Kunze, weil man ja nur eine bewährte Technik weiterentwickelt habe.

Allerdings ist mit der Technik der Dresdner Forscher nur eins von zwei Geräuschproblemen an Windkraftanlagen gelöst. Lärm, der an den Rotorflügeln entsteht, kann damit nicht beseitigt werden.

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