Astronomie
Erde in der Schusslinie

Gammastrahlenblitze sind die stärksten Explosionen, die das Universum zu bieten hat: In wenigen Sekunden setzen sie dieselbe Energie frei wie unsere Sonne in ihrem gesamten Leben. Wer oder was sie so hell am Nachthimmel erstrahlen lässt, ist bislang nur zum Teil geklärt. Jetzt haben Astronomen einem besonders starken Blitz ein paar seiner Geheimnisse entlocken können.

HEIDELBERG. Die Sterne am Nachthimmel mögen uns unzählbar erscheinen. Tatsächlich sind es gerade einmal 3000 und damit nur ein winziger Bruchteil dessen, was sich im Universum an Lichtern herumtreibt: Allesamt stammen sie aus der Milchstraße, meist nicht einmal 1500 Lichtjahre von uns entfernt. Nur manchmal macht sich ein ferneres Gestirn durch ein kurzes Flackern bemerkbar.

Damit ferner ein Stern so ein Leuchtzeichen absetzen kann, muss er mindestens acht Sonnenmassen in sich vereinen. Hat solch ein Gigant eines Tages seinen Kernbrennstoff verbraucht, erlischt das nukleare Feuer in seinem Innern. Damit fehlt im Zentrum des Sterns jene Kraft, die sich dem gewaltigen Druck der äußeren Gashülle entgegenstellt: Der Koloss fällt in sich zusammen, eine Schockwelle schleudert die äußeren Gasschichten mit unvorstellbarer Gewalt ins All und der Kern des einstigen Riesensterns kollabiert zu einem ultrakompakten Neutronenstern oder gar einem Schwarzes Loch.

Wie ein Gammastrahlenblitz entsteht (Windows Media Player)

Auch wenn das Prinzip einer solchen Supernova ähnlich ist, unterscheiden sich die Sternexplosionen durchaus in ihrer Stärke. Einige von ihnen, Wissenschaftler schätzen rund jede tausendste, sind derart energiereich, dass sie sich durch einen Gammastrahlenausbruch verraten, der wie ein Blitz Dauer aus der Tiefe des Weltraums aufleuchtet. Mit speziellen Gammastrahlenteleskopen im All gehen Astronomen seit einigen Jahren auf die Jagd nach den Monsterblitzen. Mit Erfolg: Pro Woche gehen durchschnittlich etwa zwei ins Netz der Wissenschaftler.

Im März 2008 fingen sie mit GRB 080319B einen besonders dicken Fisch. Im optischen Bereich strahlte er so hell wie keiner vor ihm. Man hätte ihn sogar mit bloßem Auge am Nachthimmel erspähen müssen - obwohl er fast 7,5 Milliarden Lichtjahre entfernt ist! Das vollbringen nicht einmal Supernovae, die viele tausendmal näher liegen. Wie schafft es ein einziger Stern so unglaublich leuchtstark zu sein?

Die Lösung liegt zu einem Teil in der Art der Emission. Während gewöhnliche Supernovae ihre Energie relativ gleichmäßig über Tage und Monate hinweg zu allen Seiten abstrahlen, passiert das in einem Gammablitz innerhalb von Sekunden und gebündelt in einem dünnen Strahl: Während sich im Kern ein schnell rotierendes Schwarze Loch bildet, schießt aus der darum wirbelnden Gas- und Staubscheibe ein energiereicher Jet heraus. Dieser Partikelstrahl bohrt sich den Weg durch die Überbleibsel des Sterns und sorgt für den beobachteten Gammastrahlenausbruch.

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