Auf der Startrampe
"Discovery" ist abflugbereit

Der Countdown läuft seit Sonntagabend. Die Weltraumfähre "Discovery" ist senkrecht auf die Startrampe montiert und am neu konzipierten Außentank hängen die Schläuche zum Auftanken bereit. Am Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida stehen also alle Zeichen auf Start. Knapp zweieinhalb Jahre nach dem Absturz der "Columbia"-Raumfähre soll am Mittwoch um 21.51 Uhr MESZ erstmals wieder ein Shuttle ins All steigen.

HB CAPE CANAVERAL/ WASHINGTON. An Bord sind nicht nur sieben Astronauten und 15 Tonnen Material für die Internationale Weltraumstation ISS. Die "Discovery" trägt auch die Hoffnungen auf ein neues Kapitel in der Weltraumgeschichte ins All und soll das Selbstvertrauen der Raumfahrernation USA wieder herstellen.

Für diesen wichtigen Einsatz trainiert die siebenköpfige Crew unter Kommandantin Eileen Collins schon seit Jahren - und ist eingespielt wie das beste Pfadfinderteam. Als erste Flieger nach dem "Columbia"-Unglück sind sie inzwischen bekannter als fast alle Astronauten vor ihnen.

Die Kommandantin Eileen Collins, 48, Rufname "Mom", weil sie sich wie eine Glucke um ihre Crew kümmert, gilt unter Stress als absolut cool. Nur vor Achterbahnen hat sie Angst. Pilot James Kelly, 41, hört als unschlagbarer Pokerspieler auf den Namen "Vegas". Stephen Robinson, 49, ist "Stevie Ray", weil er in einer Rockband Gitarre spielt. Wendy Lawrence, 46, wird "Too Short" (zu kurz) genannt, weil sie vor Jahren von der russischen Raumfahrtbehörde mangels drei Zentimetern Körpergröße für einen Einsatz abgelehnt worden war. Andy Thomas, 53, war für die Musikauswahl zuständig - "Beethoven, Bach und Beatles", Soichi Noguchi, 40, genießt in Japan Rockstarstatus und Charles Carmada, 52, ist auf seinem Jungfernflug.

Zuletzt haben die sieben Crew-Mitglieder noch einmal an Popularität gewonnnen, weil sie in zig Interviews ihr Vertrauen in die Sicherheit des Shuttles beteuert haben.

"Wir wollen keine dummen Risiken eingehen. Aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, ins All zurückzukehren", sagt Eileen Collins. Ähnlich klingt auch das Fazit von Harold Gehman, Leiter der Unfalluntersuchung, der sagt: "Ich bin sicher, das Shuttle ist sicherer als je zuvor." Eine 100-prozentige Garantie gebe es aber nicht.

Die Weltraumbehörde NASA hat seit dem "Columbia"-Unglück umfangreiche Verbesserungen vorgenommen. So ist das Risiko, dass sich beim Start wie bei "Columbia" im Januar 2003 Schaumstoff vom Tank löst und den Tragflügel fatal beschädigt, durch neues Design und Material zwar stark verringert worden. Auszuschließen ist ein solcher Zwischenfall aber nicht. Und auch wenn die Astronauten und die beiden Bewohner der ISS etwaige Schäden mit Kameras und Lasern erstmals schon im Flug in Augenschein nehmen werden, gibt es keine erprobte Reparaturmöglichkeiten im All.

Weiter hat Crew-Mitglied Noguchi Kittspachtel und Klebematerial im Gepäck, ob damit im All aber tatsächlich Risse in den Hitzekacheln zu kitten wären, ist fraglich. Wenn alle Stricke reißen, müssen die Raumfahrer in der ISS bleiben und auf die Rettung mit der nächsten Fähre warten.

Die Astronauten selbst nehmen es gelassen. "Ich habe meinen Frieden gemacht. Ich hatte eine fantastische Karriere und bin ein Mensch, der sehr viel Glück hat", hieß es unter ihnen.

Mit an Bord sind allerdings auch Erinnerungsstücke an die sieben Astronauten, die nach dem letzten Start in Cape Canaveral nicht lebend zur Erde zurückkehrten. Darunter auch ein Ring, den der damalige Pilot William McCool seiner Frau geschenkt hatte. "Hope" - Hoffnung, ist darin eingraviert.

Es sei schwer gewesen, den Ring abzunehmen, sagte Lani McCool in einem Interview. "Dass das Wort Hoffnung um die Erde kreist, hat aber doch tiefere Bedeutung."

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