Bemannte Raumfahrt
Neue Shuttles braucht die Welt

Die Hiobsbotschaften rund um die amerikanischen Raumfähren reißen nicht ab, und neben den Amerikanern sehen vor allem die Europäer und die Russen die Raumfahrt vor äußerst heiklen Jahren. 30 Monate der technischen Überholung reichten also doch nicht aus - die überalterten US-Shuttles haben ihre Grenzen erreicht.

HB PARIS. Pläne für neue Raumschiffe gibt es zwar und die Europäer wollen auch Mitte 2006 ihren automatischen ATV-Transporter "Jules Verne" starten, doch nur US-Shuttles können große Teile wie Europas Spitzen-Labor "Columbus" zur Weltraumstation ISS bringen. Aber bis neue bemannte und wiederverwendbare Raumschiffe aber auf die Rampe kommen, vergehen mindestens fünf Jahre. Und sollten die US-Shuttles gar nicht mehr fliegen können, droht eine erhebliche Lücke.

Angesichts dieses Dilemmas hatte Nasa-Chef Michael Griffin im Mai angekündigt, den neuen US-Raumtransporter CEV (Crew Exploration Vehicle) deutlich rascher bauen zu wollen. Ursprünglich war geplant, die auch als Mondschiff gedachte neue Raumfähre erstmals 2014 abheben zu lassen. Jetzt wird der Start aber bereits für 2010 angestrebt. Und wenn der US-Konzern Lockheed Martin den Zuschlag für den Bau erhält, ist die in Bremen ansässige EADS Space Transportation als Partner mit von der Partie und wäre dabei für eines der drei Module verantwortlich.

Dringend benötigten Nachschub - 9,5 Tonnen Treibstoff, Proviant und wissenschaftliches Gerät - soll der europäische "Lastesel des Weltraums", das Automatische Transferfahrzeug (ATV), zur ISS bringen. Dies ist eines der größten und anspruchsvollsten Raumfahrzeuge, das je in europäischer Zusammenarbeit entwickelt und gebaut worden ist.

Zehn Jahre lang will die Europäische Weltraumorganisation Esa mit neun bis zehn unbemannten Raumschleppern beweisen, dass sie die Kunst des Andockens an die ISS beherrscht. Die ersten sechs ATV kosten eine Milliarde Euro. Ariane-5-Raketen bringen den Transporter auf den Weg.

Mitmachen wollen die Europäer auch bei der wieder verwendbaren russischen Raumfähre "Klipper" für bis zu sechs Raumfahrer. Weitaus kostengünstiger gedacht als die US-Shuttles, dürfte "Klipper" nach den Testflügen allerdings frühstens 2012 erstmals bemannt ins Weltall aufbrechen - zur ISS oder später dann auch zum Mond.

Das Projekt muss jedoch noch finanziert werden. Es wäre auch ein erneutes Beispiel für die enge Zusammenarbeit der Russen und der Esa in der Raumfahrt. "Klipper" könnte von Baikonur in Kasachstan und auch vom Europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana aus ins Weltall starten. Entscheidend bei all den Plänen wird allerdings der politische Wille sein, in die Raumfahrt zu investieren.

In der Warteschleife steht immerhin auch noch der Plan für die Testversionen des europäischen Raumgleiters "Phoenix", der in ferner Zukunft auch zu einem bemannten Raumschiff werden könnte. Die Fachminister der Esa-Mitgliedsländer werden im Dezember Weichen dafür stellen müssen.

Nicht nur wegen der befürchteten Lücke bei dem Ausbau der ISS ist die Enttäuschung über den jüngsten "Discovery"-Rückschlag in Europa riesig. Denn der deutsche Astronaut Thomas Reiter muss nun weiterhin auf seinen Flug für einen Langzeitbesuch in der ISS warten - obwohl er doch schon seit etlichen Jahren intensiv dafür trainiert.

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