Bergwetterwarte Zugspitze
Wetterfrosch auf Deutschlands höchstem Arbeitsplatz

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Wer am Berg automatisch misst, misst Mist

Ein Arbeitstag auf der Wetterwarte dauert 24 Stunden. Zwischen 21.30 Uhr und 5.00 Uhr ist Bereitschaftszeit. Dann wird das Schrankbett aufgeklappt, Stadler kann sich ausruhen. „Ich schlafe hier oben aber schlecht“ – kein Wunder, denn die Luft ist in fast 3000 Metern Höhe dünn.

Mittags kommt die Ablösung. Wenn wegen Sturms aber Seilbahn und Zahnradbahn stillstehen, heißt es ausharren in der Wetterwarte, bis der nächste Kollege auf den Berg fahren kann.

Angst hat Stadler auch bei noch so viel Sturm und Gewitter nicht, unheimlich war es ihm aber manches Mal. „Einmal hat der Blitz so heftig eingeschlagen, dass ich geglaubt habe, so muss es in der Hölle sein“, erinnert sich der 59-Jährige. Auch Heiligabend hat der Familienvater schon in der Wetterwarte verbracht. Seine Frau und der Sohn durften ausnahmsweise dabei sein. Stadler: „Es war wunderschön.“

Komfort bietet die Wetterwarte freilich nicht. Aber immerhin gibt es mittlerweile eine Toilette – „das teuerste Klo Deutschlands“, so Stadler. Die Leitungen mussten in den Fels gehauen werden. Sie sind zudem beheizt, andernfalls würde alles einfrieren.

Womöglich wird die Toilette aber schon bald nicht mehr benötigt. Denn der DWD zieht sein Personal nach fast 120 Jahren aus den Wetterwarten ab. Stadler findet dies nach 40 Berufsjahren schade. Kein noch so präzise arbeitendes Messgerät könne die Augenbeobachtung ersetzen, sagt er und zitiert den Spruch eines Schweizer Meteorologen: „Wer auf dem Berg automatisch misst, misst Mist.“

Die Verantwortlichen beim DWD verweisen auf die fortschreitende Automatisierung der Wetteraufzeichnungen. Tatsächlich werde deshalb Personal auch von der Zugspitze abgezogen. Es würden aber weiterhin Mitarbeiter zur Wartung der Geräte gebraucht, wenn auch deutlich weniger als bisher, so DWD-Sprecher Gerhard Lux. 24-Stunden-Schichten gehören jedenfalls bald der Vergangenheit an.

Damit geht für Stadler und seine Kollegen schon bald eine Ära zu Ende. Auf die Zugspitze will der Wetterbeobachter danach auch privat nicht fahren. Um die 900 Mal war er auf Deutschlands höchstgelegenem Arbeitsplatz, doch am goldenen Gipfelkreuz ist er noch nie gestanden: „Warum auch, ich war immer höher droben als jeder Gipfelstürmer.“

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Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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