Der Test
Universalgerät für Küchenprofis

Schneiden, kneten, raspeln, garen: Die Küchenmaschine Thermomix TM 31 von Vorwerk ist ein teures Universalgerät, das Hobbyköche erst in Erstaunen, dann in einen Koch-Rausch versetzt. Das Multitalent im Test.
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Erinnern Sie sich noch an Willi Winzig und der Elektromix? 1971 spielte der Komiker Heinz Erhardt im Streifen "Unser Willi ist der Beste" einen tolpatschigen Vertreter, der eine revolutionäre Küchenmaschine bei seinen Hausbesuchen mit allen möglichen Zutaten fütterte und regelmäßig zur Explosion brachte, weil der Elektromix zwar quirlen, häckseln, reiben und raspeln konnte, aber nicht alles zugleich und schon gar nicht mit Lebensmitteln im Rohzustand.

Eine ähnliche Show erwartete ich, als eines Tages Annika Tillmann bei mir in der Bürotür stand, um den neuen Vorwerk Thermomix TM 31 vorzuführen. Die Werbung für die 960 Euro teure Küchenmaschine hatte uns neugierig gemacht. Unter dem Motto: "Einer für alles - alles in einem" pries der eigentlich eher für seine Staubsauger bekannte Hersteller aus dem Bergischen sein mit einem Aufwand von 20 Millionen Euro entwickeltes Produkt als einzigartiges Universaltalent für die Küche: Der Thermomix könne nicht nur mixen, schroten und kneten, Kaffee mahlen und Fleisch hacken, sondern auch garen und dämpfen (maximal 100 Grad). Zudem spüle sich die Maschine selbst. Heinz-Erhardt-Fans halten da die Luft an.

Doch die Hoffnung auf Küchen-Komik erfüllte sich nicht, weder bei der obligatorischen Einweisung in die komplexe Technik durch die Vorwerk-Repräsentantin, noch später beim Testkochen daheim: Das erfreulich kompakte (30 Zentimeter hohe wie breite) Multitalent, das über ein Dutzend Küchengeräte ersetzen kann, meisterte alle gestellten Aufgaben souverän. Ein Glas Konfitüre war nach einer halben Stunde aus frischen Erdbeeren gekocht, eine Aioli ruck, zuck gerührt. Die integrierte digitale Waage erleichterte dabei enorm die Dosierung der Zutaten.

Unsere Kinder schwärmten für Himbeereis, das der Thermomix aus gefrorenen Früchten, angefrorener Sahne und Zucker in 21 Sekunden herbeizauberte. In den ersten fünf Sekunden sorgten die im - leider nicht einsehbaren - Stahltopf herumwirbelnden Teile jedoch einen solchen Heidenlärm, dass ich fürchtete, der Thermomix zerlege sich selbst. Noch mehr aber beeindruckte mich später, mit welcher Leichtigkeit die Maschine ein Kilo Spargel mit Kartoffeln zubereitete - leise surrend, in einem Arbeitsgang auf zwei Etagen. Sowohl die Spargelstangen wie auch die Kartoffeln waren punktgenau gegart. Auch die Hollandaise gelang auf Anhieb: Aus Eigelb, Butter, Sahne, Gewürzen und Zitronensaft rührte die Maschine eine schaumige Sauce, die einem Kochprofi nicht besser hätte gelingen können. Das Schönste daran: Der Thermomix brauchte nur eine Zeitangabe, die Temperatur und die Rührstufe - den Rest erledigte er von selbst. Vor allem bei rührintensiven Gerichten kommt da Freude auf: Nichts brennt an, kein Muskel schmerzt.

Über solche Erfolgserlebnisse steigerten wir uns in einen regelrechten Thermomix-Rausch. Suppen, Soßen, Brotaufstriche, Desserts, Reisgerichte - tagelang rührten, häckselten und kochten wir uns durch das mitgelieferte Kochbuch. Für jeden Geschmack fand sich dort etwas. Zahllose weitere Rezepte fanden sich im Internet in einschlägigen Thermomix-Foren. Jener "mazedonische Hase in albanischer Soße", den Willi Winzig mit dem Elektromix zubereitete, war leider nicht dabei.

Als größerer Nachteil erwies es sich im Test jedoch, dass sämtliche Gerichte des Thermomix-Kochbuchs für maximal vier Portionen ausgelegt sind - mehr gibt der zwei Liter fassende Topf nicht her. Aber das soll die Leistung der Maschine nicht schmälern: Der Kessel ist für Amateurköche mit knappem Zeitbudget und großem Geldbeutel eine gute Investition.

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