DNA-Moleküle
Erbgut übersteht Flug ins All

Das Erbgutmolekül DNA ist in der Lage, selbst die harschen Konditionen bei einer Reise ins Weltall zu überstehen. Diese Erkenntnis könnte sich auch auf die Suche nach außerirdischem Leben auswirken.
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BerlinDie Erbsubstanz DNA übersteht selbst die extremen Bedingungen einer Reise ins Weltall. Das hat ein Experiment von Forschern der Universität Zürich gezeigt, bei dem DNA-Moleküle an der Außenwand einer Rakete in den Weltraum geschossen wurden. Nach der Landung erwiesen sich noch über 30 Prozent der ausgesendeten DNA-Moleküle als biologisch intakt.

Die Forscher um Cora Thiel und Oliver Ullrich beschreiben im Fachmagazin „PLOS ONE“ wie sie 2011 doppelsträngige DNA-Moleküle an verschiedenen Stellen der Außenhülle der Rakete „Texus-49“ anbrachten. Die sogenannte Plasmid-DNA war demzufolge während des 13 Minuten langen Flugs einer Spitzentemperatur von kurzfristig schätzungsweise bis zu 1000 Grad Celsius ausgesetzt.

Nach dem Flug bis in eine Höhe von 268 Kilometern, dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre und der Landung wurden je nach aufgetragener Stelle noch 4,9 bis 53,4 Prozent der DNA wiedergefunden. Bis zu 35 Prozent der ausgesendeten DNA-Moleküle seien biologisch noch voll funktionsfähig gewesen, schreiben die Forscher.

„Wir waren völlig überrascht, soviel intakte und funktionell aktive DNA wiederzufinden“, sagte Thiel. Und ihr Kollege Ullrich ergänzte: „Wir glauben, dass diese Protektion durch eine günstige Kombination verschiedener Faktoren zustande kam, wie die extreme Trockenheit im Vakuum des Alls und der hohe Salzgehalt nach Trocknung der DNA.“

Diese Erkenntnis könnte in zweierlei Hinsicht eine Rolle bei der Suche nach außerirdischem Leben spielen. Zum einen zeigt die Studie, dass experimentelle Raketenflüge genutzt werden können, um realistisch zu simulieren, wie Meteoriten mit organischem Material „an Bord“ in die Erdatmosphäre eintreten. Eine Theorie zur Entstehung von Leben auf der Erde besagt, dass solche kosmischen Geschosse einst die Bausteine des Lebens zur Erde gebracht haben könnten.

Zum anderen verdeutlicht das Experiment das Risiko, dass irdische Raumfahrzeuge unbeabsichtigt DNA ins All transportieren könnten. „Das Ergebnis zeigt, dass es gar nicht unwahrscheinlich ist, dass trotz aller Vorsichtsmaßnahmen Raumfahrzeuge auch DNA irdischen Ursprunges an ihre Landestelle mitbringen können“, so Ullrich. „Das muss man im Griff haben, wenn man nach Leben außerhalb der Erde sucht.“

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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