Drohne Eurohawk
Das fliegende Super-Ohr

In der Militärluftfahrt ist die Zeitenwende in vollem Gange: Zunehmend übernehmen unbemannte Flugzeuge Kampf- und Abhöreinsätze. Ein Milliardenmarkt, den EADS mit der Riesendrohne Eurohawk nun erobern will.

Manching bei IngolstadtEr ist fast so groß wie ein Airbus A320, doch ein Pilot fliegt nicht mit. Eine Tonne feinste Abhörelektronik steckt im Bauch der feldgrauen Maschine, die an diesem Mittwochnachmittag im nagelneuen Hangar der "Wehrtechnischen Dienststelle 61" in Manching in der Nähe von Ingolstadt steht. "Eurohawk" haben die Militärs den neuen Stolz der Luftwaffe getauft.

Das bislang größte unbemannte Flugzeug der Welt soll ab dem kommenden Sommer Deutschlands fliegendes Super-Ohr für die Weltpolitik werden: Fünf Maschinen zum Preis von insgesamt 1,3 Milliarden Euro sollen für die Luftwaffe künftig auf Horchflug rund um den Globus gehen. "Das ist ein großer Meilenstein auf dem Weg zum unbemannten Fliegen in Deutschland", sagte Stefan Zoller, der Vorstandsvorsitzende der EADS-Rüstungstochter Cassidian.

Nicht nur für die deutschen Militärs beginnt ein neues Zeitalter: Der Eurohawk ist für Cassidian die Eintrittskarte in das Milliardengeschäft mit Drohnen. Bislang hat der Mutterkonzern des Jetherstellers Airbus auf diesem Zukunftsfeld der Rüstungsindustrie nicht viel zu bieten, Amerikaner und Israelis beherrschen das Geschäft. Und auch beim Eurohawk ist die EADS-Tochter Cassidian nur der Juniorpartner. Denn die Riesendrohne ist eigentlich eine Entwicklung des US-Rüstungskonzerns Northrop Grumman, der die Maschine an die US-Streitkräfte bereits dutzendfach verkauft hat.

EADS übt mit dem Eurohawk auch für seine Eigenentwicklung, den "Talarion" Cassidian liefert nach fast zehn Jahren Entwicklungsarbeit vor allem die Abhörsensorik. Die Europäer wollen von den Amerikanern insbesondere lernen, wie die Systemsteuerung eines so großen, unbemannten Flugzeugs funktioniert.

Die Erkenntnisse sammelt Cassidian für seine Eigenentwicklung, den "Talarion". Die ebenfalls unbewaffnete Mittelstreckendrohne soll ab Mitte des Jahrzehnts fliegen, doch bislang weigern sich Deutschland, Frankreich und Spanien, die nötigen drei Milliarden Euro für Entwicklung und Anschaffung zu bezahlen.

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