Forschung + Innovation
Embryonale Stammzellen ohne Embryo-Zerstörung?

US-Forscher haben einen neuen Ansatz für das therapeutische Klonen entwickelt. Sie konnten Hautzellen von Erwachsenen so umprogrammieren, dass sie die Eigenschaften embryonaler Stammzellen zurückerlangten. Dazu hatte das Team die Hautzellen mit fremden embryonalen Stammzellen verschmolzen.

dpa BOSTON/WASHINGTON. US-Forscher haben einen neuen Ansatz für das therapeutische Klonen entwickelt. Sie konnten Hautzellen von Erwachsenen so umprogrammieren, dass sie die Eigenschaften embryonaler Stammzellen zurückerlangten. Dazu hatte das Team die Hautzellen mit fremden embryonalen Stammzellen verschmolzen.

Die resultierenden Zellen haben allerdings das Erbgut beider Ausgangszellen. Daher lasse sich bislang mit dem Verfahren kein Patienten behandeln, schreiben die Forscher um Kevin Eggan von der Harvard-Universität in Boston im Fachjournal „Science“ (Bd. 309, S. 1 369).

Auf diesem Weg könnte das therapeutische Klonen, mit dem Ärzte einmal maßgeschneidertes Ersatzgewebe für Patienten produzieren wollen, ohne die bislang nötigen Eizellen auskommen. Der Einsatz von Eizellen ist ethisch umstritten. Zudem sind sie nur in begrenzter Zahl und über eine für die Spenderin belastende Prozedur verfügbar. Während beim herkömmlichen therapeutischen Klonen immer ein Embryo entsteht und zerstört wird, kann sich bei dem neuen Verfahren voraussichtlich kein Embryo bilden. Die Methode soll zunächst helfen, die Rückprogrammierung von Körperzellen zu verstehen.

„Im Prinzip haben wir die Uhr erwachsener Zellen zurückgestellt und sie in den Zustand embryonaler Stammzellen versetzt“, erläuterte Eggan Journalisten am Montagabend (Ortszeit). Allerdings besitzen die Hybridzellen den doppelten Chromosomensatz, so dass sie sich nicht medizinisch verwenden lassen. Erst wenn es gelänge, die Chromosomen (Erbgutträger) der ursprünglichen embryonalen Stammzelle zu entfernen, ließen sich die umprogrammierten Hautzellen einsetzen.

Eggan will das Verfahren nur als Wegweiser verstanden wissen: „Es ist noch kein Ersatz für das therapeutische Klonen, sondern öffnet nur eine weitere Tür.“ Selbst wenn sich alle technischen Hürden überwinden ließen, könne seine Methode frühestens in zehn Jahren zum Einsatz kommen. Dennoch glaubt er an das Potenzial der fusionierten Zellen. Sie haben die gleiche Teilungs- und Wachstumsrate wie alle embryonalen Stammzellen und sehen genauso wie diese aus. „Wir haben festgestellt, dass sie veranlasst werden können, zu Nervenzellen, Haarfollikeln, Muskelzellen und Darmzellen zu reifen.“

Bisher können maßgeschneiderte embryonale Stammzellen, mit denen Mediziner einmal schwere Krankheiten zu heilen hoffen, nur durch das therapeutische Klonen mit Hilfe von Eizellen gewonnen werden. Dabei wird das Erbgut eines Patienten in eine entkernte Eizelle eingesetzt. Das Ergebnis ist ein Embryo mit dem Patientenerbgut. Dieser Embryo wird allerdings bei der Entnahme der gewünschten Stammzellen zerstört. dpa go/tim xxzz hu

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