Entwicklungssprung
Siemens stellt neues Konzept für Computertomografen vor

Die Computertomografie (CT) ist eine schnelllebige Technologie. In kaum einem Bereich der Medizintechnik werden in so kurzen Zeitabständen grundlegende Innovationen präsentiert. Erst vor einem Jahr haben Siemens Medical Solutions, GE Healthcare und Philips auf der Medizinmesse Medica in Düsseldorf ihre neueste CT-Generation vorgestellt, die einen Qualitätssprung bei der Herz- und Ganzkörperdiagnose gebracht hat.

HB DÜSSELDORF. Diese Technik ist seit gestern bereits wieder überholt – die Siemens-Tochter hat in New York einen weiteren Entwicklungssprung präsentiert. Auf der Veranstaltung, die in einer Liveschaltung auf der momentan stattfindenden Medica übertragen wurde, zeigte das Unternehmen einen Computertomografen, der vor allem die Herzdiagnostik noch einmal deutlich verbessert.

Das Gerät ist durch einen technischen Trick besonders schnell: Es verfügt über zwei Röntgenstrahler und zwei Detektoren, die parallel zwei unterschiedliche Bereiche des Herzens scannen. „Dadurch, dass ein Computer die Daten anschließend zu einem Bild zusammenfügt, wird die Aufnahmezeit drastisch reduziert“, sagt Frank Anton, Siemens-Vertriebsleiter Europa. Von Vorteil ist diese höhere Geschwindigkeit vor allem für Menschen, die eine hohe Pulsfrequenz besitzen. Sie mussten bislang vor der Untersuchung zur Senkung der Herzfrequenz Betablocker einnehmen. Mit dem neuen CT ist das nicht mehr notwendig.

Siemens hat sich mit der neuen Technik von der Branchenstrategie verabschiedet, eine höhere Auflösung durch das Aneinanderreihen von immer mehr Detektoren zu erreichen. Zum Hintergrund: Die Generation der so genannten 64-Zeiler, die im vergangenen Jahr auf den Markt kam, lieferte auf einen Schlag pro Umdrehung viermal mehr Bilder als die Vorgängergeneration der 16-Zeiler – und damit eine höhere Auflösung.

GE und Philips halten an diesem Konzept fest. Langfristig arbeiten sie daran, die Zahl der Detektoren zu verdoppeln oder gar zu vervierfachen – auf 128 und 256 Zeilen. Auf der Medica in diesem Jahr zeigen die beiden Firmen Optimierungen der 64-Zeilen-Technik und Software, mit der die Analyse der Scandaten vereinfacht wird.

Das Siemens-Konzept mit den zwei Röntgenröhren erhöht jedoch nicht nur die Untersuchungsgeschwindigkeit bei der Herzdiagnose. Dadurch, dass die Röhren mit unterschiedlichen Energiestufen arbeiten können, ist es möglich, zwei Datensätze mit unterschiedlichen Patienteninformationen zu erzeugen. Auf diese Weise sind auch Gewebe und Flüssigkeiten darstellbar. Der Vorteil: Ärzte können Gefäße, Knochen und Weichteile besser unterscheiden. „Wir erhoffen uns von der Technik neue Möglichkeiten in der CT-Diagnostik“, sagt Wolfgang Lemmen, Radiologe und CT-Experte in der Wuppertaler Radprax. Durch die hohe Geschwindigkeit und Detailgenauigkeit seien mit dem neuen CT sichere und schnellere Diagnosen möglich.

Das erste System der neuen Siemens-CT-Generation wurde im Oktober an der Uni Erlangen installiert und wird dort vor allem für die technische und klinische Forschung genutzt. Da mit dem Somatom-CT auch Ganzkörperdiagnosen schnell durchgeführt werden können, werde das neue Gerät später auch in der Notaufnahme eingesetzt, sagt Werner Bautz, Direktor des Radiologischen Instituts am Universitätsklinikum Erlangen. Die nächsten Installationen sind für Anfang 2006 im Klinikum Großhadern in München, an der Mayo Clinic in Rochester im US-Bundesstaat Minnesota, an der Cleveland Clinic Foundation in Ohio und am Medical Center der New York University geplant.

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