Ernährung
Shrimps vom Acker

Wir essen mehr Fisch, als die Meere verkraften. Seit längerem erforschen Wissenschaftler deshalb, wie Meerestiere möglichst umweltschonend an Land gezüchtet werden können. Ein Bauer hat jetzt ein Vorreiterprojekt in Deutschland gestartet – bald schon könnte es Nachahmer geben.
  • 2

Bevor Bauer Heinrich Schäfer seine Tiere füttert, zieht er sich eine blaue Badehose und Plastik-Latschen an. Die feuchte, tropisch warme Luft treibt ihm Schweißperlen auf die Stirn. Doch seine Tiere, die in großen Holzbecken in einer blauen Halle leben, sind Temperaturen um die 30 Grad aus ihrer Heimat gewohnt: Bauer Schäfer züchtet Garnelen.

Und damit ist er in Deutschland Pionier: Seine Salzwasser-Garnelenzuchtanlage in Affinghausen südlich von Bremen ist eine der ersten ihrer Art. Und sie könnte schon bald Nachahmer finden. Weltweit forschen Unternehmen und Wissenschaftler daran, Salzwasserfische und Shrimps möglichst effizient und umweltschonend an Land zu züchten.

Hoffnungsträger sind dabei vor allem die sogenannten geschlossenen Kreislaufanlagen, die auch Schäfer einsetzt. In solchen Anlagen schwimmen Garnelen, Aale und Welse in Becken, bis sie ihr Schlachtgewicht erreicht haben. Das Wasser fließt dabei immer wieder durch verschiedene Filter, sodass nur ein Bruchteil ausgewechselt werden muss.

Und die Nachfrage nach dieser innovativen Technik wird in den nächsten Jahren deutlich zunehmen. Denn der Bedarf an Meerestieren nimmt ständig zu: Jeder Deutsche verzehrte im vergangenen Jahr 15,7 Kilo Fisch und Meeresfrüchte. 2004 waren es noch 13,8 Kilo. Weltweit liegt der Fischkonsum inzwischen sogar bei 17 Kilogramm pro Kopf – fast doppelt so hoch wie noch in den Sechzigerjahren.

Die Meere können diesen Bedarf schon lange nicht mehr decken. Weltweit sind über 75 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände überfischt. Das heißt: Die Fischer holen mehr Tiere aus dem Meer, als neue nachwachsen.

Die Alternative gegen Überfischung ist die Fischzucht. Bereits 2007 stammten 42 Prozent der verspeisten Fische, Muscheln und Krebse aus Aquakultur – der größte Teil davon aus Käfigen im Meer. Nach den aktuellsten Zahlen ist die weltweite Produktion von Meeresfrüchten in Aquakulturen von 1997 bis 2007 um 90 Prozent gestiegen – auf rund 65 Millionen Tonnen.

Seite 1:

Shrimps vom Acker

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Kommentare zu " Ernährung: Shrimps vom Acker"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es ist sehr sinnvoll, wenn Fische in Aquakultur grossgezogen werden, denn der Fischer ist ein bauer der ernten will aber nicht sät. Das kann nicht gut gehen, die Meere sind gnadenlos überfischt.

    Aber den bauern Heinrich Schäfer als Pionier vorzustellen, ist grober Unfug, denn Fische werden wie der Artikel ja zeigt schon überwiegend so produziert. All unsere Pangasius-Filets stammen aus überschwemmten Reisfeldern in Asien. Da braucht es keine Heizung für 30 GradC und keine Gebäude und keine extra Flächen für. Daher ist Aquakultur in Deutschland vollkommener Humbug. Hoffentlich fliesst kein cent Fördergeld in solchen Quatsch.

    Leider ist Aquakultur-Fisch extrem schlecht, besonders übel merkt man es bei Lachs, der wie eine fettige Penicillin-Schwarte daherkommt und geschmacklich keinerlei Ähnlichkeit mehr mit wildem Lachs hat. Fast so schlimm sind die Garnelen und eben der Pangasius. Die Qualität muss deutlich besser werden, und dazu müssen die becken deutlich grösser werden, möglichst wieder das ganze Weltmeer. Wir müssen säen (aufgezogene Fische ins Wasser setzen) bevor wir ernten können, egal ob dabei 99% von anderen gefressen werden (die sind später auch unser Essen, wenn es erst mal wieder so viele Wale gibt wie um 1800 darf man sie auch wieder jagen)

  • guck

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%