Forschung + Innovation
Ethikrat verzichtet auf Abstimmung zum Klonen

Eine Lockerung des Klonverbots menschlicher Embryone zu Forschungszwecken bleibt im Nationalen Ethikrat umstritten. Nach zweitägigen Beratungen teilte der Rat am Donnerstag in Berlin mit, er werde seine Stellungnahme dazu im September veröffentlichen.

dpa BERLIN. Eine Lockerung des Klonverbots menschlicher Embryone zu Forschungszwecken bleibt im Nationalen Ethikrat umstritten. Nach zweitägigen Beratungen teilte der Rat am Donnerstag in Berlin mit, er werde seine Stellungnahme dazu im September veröffentlichen.

Eventuell abweichende Voten würden von den sie jeweils tragenden Mitgliedern unterzeichnet. Das von der Bundesregierung eingesetzte Gremium mit Experten aus Wissenschaft, Theologie, Politik und Wirtschaft ringt seit Wochen um den Inhalt einer Stellungnahme.

Die Bundesregierung will das Thema derzeit nicht wieder auf die Tagesordnung setzen. „Von unserer Seite gibt es dazu keinen Handlungsbedarf. Es gibt keine Mehrheiten für eine Änderung des Klon- Verbots“, sagte der Staatssekretär des Bundesforschungsministeriums Ulrich Kasparick (SPD). Die Stimmen für eine Lockerung des Klon- Verbots für medizinische Forschungszwecke reichen bis ins Kabinett.

Der Bundestag hatte sich 2003 mit großer Mehrheit für ein weltweites und umfassendes Klon-Verbot ausgesprochen. Die Entscheidung in Großbritannien, erstmals in Europa das so genannte Forschungsklonen zu erlauben und damit möglicherweise die Bekämpfung von Krankheiten wie Alzheimer oder Krebs zu erleichtern, hat die Debatte neu entfacht.

Der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel, selbst Mitglied im 25-köpfigen Ethikrat, wandte sich im Deutschlandfunk gegen Mehrheitsentscheidungen in dem Gremium. „Wir sind kein Parlament, wir haben keine parlamentarische Legitimation.“ Bereits bei der Stellungnahme des Beratergremiums zur genetischen Schwangerschaftsdiagnostik hatte der Rat auf eine Abstimmung verzichtet.

Im Ethikrat ist das strikte Verbot des reproduktiven Klonens zur Schaffung von erbgutgleichen Menschenkopien nicht umstritten. Bei dem „Forschungsklonen“ mit embryonalen Stammzellen reichen die Positionen dagegen vom strikten Verbot bis zu einer Erlaubnis, wenn es an ganz strenge Voraussetzungen geknüpft wird.

Der Vorsitzende des Ethikrats Spiros Simitis bekräftigte seine Ansicht, dass sich Bundestag und EU angesichts der neuen internationalen Debatte mit dem Klonen befassen müssten. Ähnlich argumentierte die forschungspolitische Sprecherin der CDU/CSU- Fraktion, Katherina Reiche (CDU). Sie befürwortet das Klonen zu Forschungszwecken.

Dagegen wandte sich die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU- Bundestagsfraktion Maria Böhmer. Es gebe keine neuen naturwissenschaftlichen oder ethischen Argumente für das Töten menschlicher Embryone. Mit seiner Diskussion um eine Lockerung des Klon-Verbots betätige sich der von Bundeskanzler Gerhard Schröder 2001 berufenen Ethikrat als „biopolitischer Weichmacher des Bundeskanzlers“. Er überschreite „bewusst Grenzen, um ethisch problematische Entwicklungen zu legitimieren“. dpa rf yydd ol

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