Europäischer Erfinderpreis
Das Tor zur Augmented Reality

Eigentlich suchte Masahiro Hara nur einen Nachfolger für den herkömmlichen Barcode. Doch dann erwies sich der von ihm entwickelte QR-Code als Tor zu einer neuen Realität, die heute jedem Smartphone-Nutzer zugänglich ist.
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BerlinSeit 1974 ist der Barcode im Supermarkt im Einsatz– jene Ansammlung verschieden dicker Striche auf Verpackungen aller Art, die es ermöglicht, mittels entsprechender Scanner den Preis und andere Produktinformationen im Bruchteil einer Sekunde auszulesen. Ohne den Barcode wäre die ausgefeilte Logistik, wie sie heute in vielen Bereichen zu finden ist, undenkbar: Weder die automatisierte Meldung von der Ladenkasse an das Lager, das ein Produkt das Geschäft verlassen hat, noch der Einsatz von Sortierrobotern in den Fabriken und Großhandelszentren.

Der Erfolg des Barcodes hat aber auch schon früh den Bedarf für seinen Nachfolger geschaffen. Mit einer Abfolge von nur zwanzig verschiedenen Ziffern und Buchstaben – mehr kann der Barcode nicht bewältigen – kommt man schnell an Grenzen, wenn alle Welt eine Strichmuster-Kennzeichnung verwendet.

Die Lösung für das Problem ist die zweite Dimension. Mit Hilfe des quadratischen Quick-Response-Code (QR-Code), der sowohl von links nach rechts wie von oben nach unten ausgelesen wird, lassen sich bis zu 7.000 Ziffern und Buchstaben darstellen. Die allerneueste Technologie, der komprimierte iQR-Code, bringt es sogar auf 40.000.

Der 1994 eingeführte QR-Code hat nicht nur Online-Fahrausweise und –Briefmarken mit individuellem Erkennungsmuster ermöglicht, sondern auch den Grundstein für die Technologie der Augmented Reality gelegt. Gemeint sind damit QR-Codes auf Museumsobjekten, Werbeplakaten oder Wurstverpackungen, die sich mittels Smartphone abfotografieren und auslesen lassen und somit das Aufrufen von Internetseiten mit weiterführenden Informationen ermöglichen. Wie eine zweite Schicht von Realität legen sich so Web-Inhalte auf Alltagsgegenstände.

Anwendungen dafür gibt es viele. In Seoul, Südkorea hat eine Ladenkette vor kurzem eine neue Art Supermarkt eröffnet. Das Ladenlokal besteht aus nichts weiter als großformatigen Anzeigentafeln mit Fotos von Produkten, die in U-Bahnhöfen aushängen. Gekauft wird per QR-Code und Smartphone. Die so bestellten Waren werden anschließend geliefert.

Es passiert nicht häufig, dass derartig bahnbrechende Erfindungen sich auf das Werk einzelner Person zurückführen lassen. Im Fall des QR-Codes ist genau dies aber der Fall. „Ich hatte mich schon während meines Elektronikstudiums auf dem College mit Hardware für optische Geräte befasst“, erzählt der japanische Ingenieur und QR-Code Erfinder Masahiro Hara.

Nach dem Studium, im Alter von 22 Jahren, fing Hara bei dem japanischen Unternehmen Denso an. „Für meinen Arbeitgeber suchte ich nach Wegen, mehr Informationen auf Produktcodes unterzubringen, um unseren Kunden bessere Dienstleistungen anbieten zu können.“

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