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Forscher: Familiäres Krebsrisiko oft überschätzt

Das familiäre Krebsrisiko wird nach Ansicht Heidelberger Wissenschaftler oft überschätzt. Eine Häufung der Krebsdiagnosen innerhalb einer Familie liege stattdessen oft an der gesteigerten Wachsamkeit der Angehörigen des Erkrankten, teilte das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg mit.

dpa HEIDELBERG. Das familiäre Krebsrisiko wird nach Ansicht Heidelberger Wissenschaftler oft überschätzt. Eine Häufung der Krebsdiagnosen innerhalb einer Familie liege stattdessen oft an der gesteigerten Wachsamkeit der Angehörigen des Erkrankten, teilte das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg mit.

Nach der Krebsdiagnose eines Verwandten ließen sich meist auch andere Familienmitglieder untersuchen. Dabei würden vermehrt Tumore in einem frühen Stadium diagnostiziert, die sonst unter Umständen gar nicht entdeckt worden wären. Dieser Effekt führe zu einer scheinbaren Steigerung des familiären Krebsrisikos.

Die Epidemiologen werteten die Daten von fast 1,7 Mill. Angehörigen der rund 850 000 Patienten des schwedischen Familienkrebsregisters aus. Im ersten Jahr der Krebsdiagnose in der Familie wurden demnach besonders viele Fälle bei Angehörigen festgestellt, in den folgenden Jahren reduzierte sich diese Häufung wie vermutet. Das zeigte sich beispielsweise deutlich bei Töchtern, deren Mütter an Brustkrebs erkrankt waren: Im Jahr der mütterlichen Diagnose wurde bei ihnen fast fünf Mal häufiger lokal begrenzter Brustkrebs diagnostiziert als bei der Allgemeinbevölkerung. Fünf Jahre später dagegen war kaum noch eine familiäre Häufung zu beobachten.

Auch bei Geschwistern von Krebspatienten nahmen die Diagnosen von lokal begrenztem Brust-, Gebärmutterhals- und Prostatakrebs mit den Jahren nach der Diagnose bei Bruder oder Schwester ab. „Unsere Daten zeigen deutlich, dass eine Krebserkrankung eines nahen Angehörigen das familiäre Krebsrisiko künstlich steigert“, erläutert Kari Hemminki vom Krebsforschungszentrum. „Dieser Effekt sollte bei der medizinischen Beratung zu familiären Krebsrisiken unbedingt berücksichtigt werden, um die Ratsuchenden nicht unnötig zu verunsichern.“

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