Forscher gewinnen neue Substanzen
Die zweite Karriere der Traube

Bisher freuen sich die Tiere: Sie bekommen Abfälle aus der Lebensmittelindustrie zum Fraß vorgeworfen – als Alternative zur kostenpflichtigen Entsorgung. Das Technologie-Transfer-Zentrum (ttz) in Bremerhaven will in einem europaweiten Projekt jetzt zeigen, dass die Lebensmittelreste zu mehr taugen.

HAMBURG. Die Forscher entwickeln Verfahren, um die organischen Reste, die bei der Verarbeitung von Oliven, Tomaten oder Weintrauben anfallen, zu Ausgangsstoffen für die Kosmetik- oder Lebensmittelproduktion weiter zu veredeln. „Die meisten Reststoffe enthalten hochwertige Substanzen wie sekundäre Pflanzenstoffe, Ballaststoffe, Proteine, Zucker, Wachse oder Öle, die in gereinigter Form für die Produktion von Lebensmitteln oder Kosmetika eingesetzt werden können“, erklärt Marie Bildstein, Leiterin des Projektes Bioactive am ttz. Bei der Suche nach organischen Verbindungen, die sich industriell verwerten lassen, erweisen sich so genannte bioaktive Substanzen als besonders interessant. Sie sind es, die bestimmte Prozesse im organischen Material anstoßen. Damit bestimmen sie etwa die Farbe der Pflanze, prägen ihren Geschmack oder sorgen für Gärungsprozesse im Sauerkraut oder im Wein.

In der Haut von Tomaten findet sich etwa der rote Farbstoff Lycopin. Mit einem Kosmetikunternehmen haben die Bremerhavener die Gesichtscreme Lypa entwickelt. Für diese Emulsion wird Lycopin aus Tomatenresten, die bei der Produktion von Tomatensoße anfallen, mit Aprikosenkernöl kombiniert.

Die Creme aus Tomatenhaut ist nur ein Beispiel dafür, wie die Reststoffverwertung zu neuen, wirtschaftlich tragfähigen Produktionsverfahren führen soll. „Nun geht es darum, wesentliche Zweige der Lebensmittelindustrie in Europa an diesem Wissen teilhaben zu lassen“, sagt ttz-Geschäftsführer Werner Mlodzianowski. Acht Partner aus fünf EU-Ländern sind im Boot: Neben den Forschungszentren Ainia in Spanien und Tecnoalimenti in Italien gehören auch die französische Vereinigung der Tomatenbauern, griechischen Olivenkooperativen und Weinbauern aus Piemont dazu. Auch für die Anbau-Firmen wird die Reststoffverwertung zu einem verlockenden Nebengeschäft.

Die Projektpartner tauschen erstmals europaweit Hinweise auf Substanzen und Verfahren zur Weiterverwendung aus. Bislang geschieht das nur punktuell, etwa bei der traditionellen Verwertung der Stängel, Schalen und Kerne, die bei der Weinproduktion anfallen. Sie werden vergoren, das Ergebnis ist Trester-Schnaps – oder auch Grappa. Nun könnten Öle, Cremebestandteile und Farbstoffe als Alternativprodukte hinzukommen.

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