Forschung
Verheugen: Europa muss sich als Weltraummacht behaupten

Europa muss sich nach den Worten von EU- Industriekommissar Günter Verheugen als Weltraummacht behaupten. Um politisch und wirtschaftlich mit den Großmächten und aufstrebenden asiatischen Staaten mithalten zu können, dürfe sich die Europäische Union (EU) keine „Abstinenz“ im Weltraum erlauben.

dpa MüNCHEN. Europa muss sich nach den Worten von EU- Industriekommissar Günter Verheugen als Weltraummacht behaupten. Um politisch und wirtschaftlich mit den Großmächten und aufstrebenden asiatischen Staaten mithalten zu können, dürfe sich die Europäische Union (EU) keine „Abstinenz“ im Weltraum erlauben.

Das sagte der Kommissionsvizepräsident am Dienstag bei einer EU-Fachkonferenz in München. Bei der Tagung wurde ein verbindlicher Fahrplan für den Aufbau eines eigenen europäischen Erdbeobachtungsprogramms (Gmes) festgelegt. Dieses soll der EU einen unabhängigen Zugang zu Informationen über Umwelt, Klimawandel und Sicherheit sichern. Die Daten sollen für militärische und zivile Zwecke etwa in der Entwicklungshilfe oder beim Katastrophenschutz genutzt werden.

„Wir laufen Gefahr, irrelevant im Weltraum zu werden“, sagte Verheugen. Nach wie vor gebe es keine wirkliche gemeinsame europäische Außen- und Sicherheitspolitik. Die EU könne aber kein Interesse an einer „strategischen Abhängigkeit“ haben und müsse notwendige Entscheidungen gestützt auf eigenes Wissen treffen.

Europa sei zwar Weltspitze etwa bei Satellitentechnik, sagte Verheugen. „Aber wir befinden uns in Wahrheit bereits in der Defensive.“ Die USA und Russland hätten 2006 eigene strategische Weltraumprogramme verabschiedet. China und Indien holten auf. Der technologische Vorsprung Europas betrage maximal noch zehn Jahre. „Dann werden China und Indien auch alles können, es aber um die Hälfte billiger machen.“ Die EU-Kommission legt Verheugen zufolge am 24. April ihren Entwurf für eine europäische Weltraumpolitik vor.

„Flaggschiff“ soll dabei das Programm „Globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung“ (Gmes) werden, mit dem künftig nach Angaben Verheugens „von jedem Punkt der Erde ein Foto bestellt werden kann“. So könnten zum Beispiel Informationen über illegale Rodungen oder die Größe von Flüchtlingslagern gewonnen werden. Datenquellen für das Kooperationsprojekt der EU und der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa sind vor allem Satelliten, aber auch boden-, schiff- und flugzeuggestützte Beobachtungssysteme.

Drei Dienste für Landnutzung, Meeresinformationen und Unterstützung bei Klima- und Naturkatastrophen sollen bereits kommendes Jahr einsatzbereit sein. Bis 2011 sollen außerdem fünf weitere europäische Satelliten in die Umlaufbahn gebracht werden, so dass Gmes sich dann auf 30 Satelliten stützen kann. „Das sind aber keine Spionagesatelliten“, sagte Verheugen. Die Gesamtkosten für den Aufbau von Gmes bis 2014 bezifferte er auf 2,4 Mrd. Euro. Nutzer sollen in erster Linie öffentliche Auftraggeber wie etwa Ministerien sein. Die Gmes-Dienste sollen weltweit angeboten werden.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte, die Gmes- Daten könnten den Einsatz von Rettungskräften etwa nach Erdbeben, Überflutungen und Seeunfällen unterstützen. Auch Ölsünder auf hoher See könnten mit Hilfe von Gmes aufgespürt werden. Zu den Nutzern zählten auch die Telekombranche, die Versicherungswirtschaft und das Transportwesen.

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