Forschungsstandort Deutschland
Auf zum Olymp

Die deutsche Forschung krankt: Junge hochqualifizierte Spitzenkräfte wandern ins Ausland; zudem gibt es an deutschen Universitäten kaum Professoren von internationalem Rang. Nun gingen gleich zwei Nobelpreise an deutsche Naturwissenschaftler – Wirtschaft und Forschung bauen auf einen positiven Effekt.

BERLIN. Gleich zwei Nobelpreise für Naturwissenschaftler aus Deutschland auf einen Streich – das beflügelt den hiesigen Forschungsstandort. Die Wirtschaft hofft zudem auf ein Signal an den Nachwuchs. Die Aufnahme der deutschen Forscher Gerhard Ertl und Peter Grünberg in den Olymp der Wissenschaften soll helfen, Schüler für Natur- und Ingenieurwissenschaften zu begeistern.

Die Gratulanten verbuchten die Nobelpreise als Gütesiegel für die deutsche Forschung insgesamt. Der gestrige Chemie-Preis an Gerhard Ertl „wirft zugleich ein helles Licht auf die Max-Planck-Gesellschaft und die Wissenschaft in Deutschland insgesamt“, jubelte Bundespräsident Horst Köhler. Bundesforschungsministerin Annette Schavan freute sich über die „großartige Auszeichnung der Forschungslandschaft“.

Das wiegt umso schwerer, als die deutsche Forschung international schon lange nicht mehr so gut dasteht, wie in den ersten Nachkriegsjahrzehnten – was auch die Zahl der Nobelpreise zeigt. Vor allem die unterfinanzierten deutschen Unis laufen in den internationalen Rankings unter ferner liefen. Die USA sind Spitzenreiter, die europäische Konkurrenz punktet mit einzelnen großen Uni-Namen, und Asien holt gewaltig auf. Auftrieb geben soll die Exzellenzinitiative: Bund und Länder pumpen in den nächsten fünf Jahren zusätzlich 1,9 Mrd. Euro in die besten Unis.

Das sorgte international für gewaltiges Aufsehen, die Nobelpreise liefern jetzt das Sahnehäubchen. Sie belegen „eindrucksvoll die hohe Qualität der Wissenschaft in Deutschland“, sagte der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner, dem Handelsblatt. Nach den vielstimmigen Klagen über den schlechten Wissenschaftsstandort „belehrten uns die Preise nun eines Besseren“, meint der Koordinator der Wissenschaftsminister der Union, Sachsen-Anhalts Forschungsminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos).

Der Doppelpreis werde „junge Leute aus dem In- und Ausland ermutigen, hier zu studieren und eine wissenschaftliche Karriere einzuschlagen“. Derzeit gibt es kaum ausländische Professoren, zudem klagt die Zunft über die Abwanderung junger Spitzenforscher.

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