Frühmenschen
Erbgut-Spuren eines Unbekannten

In unseren Genen schlummert nicht nur Neandertaler-Erbe. Auch archaische Frühmenschen in Afrika hinterließen ihre Spuren – unsere Wege kreuzten sich erst vor 20.000 Jahren.
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HeidelbergEs war die anthropologische Topmeldung des vergangenen Jahres: Menschen haben sich mit dem Neandertaler vermischt, berichtete eine Forschergruppe um Svante Pääbo. Das offenbarte das von ihnen frisch entzifferte Genom unseres Verwandten. Kurze Zeit später legten die Leipziger MPI-Forscher auch das Erbgut einer weiteren Frühmenschenart vor – das des Denisova-Menschen. Und siehe da: Auch diese Gruppe hatte einige Prozent zum Genpool heutiger Homo sapiens beigesteuert.

Ein Team um Michael Hammer von der University of Arizona in Tucson fügt der Reihe dieser Entdeckungen nun noch eine weitere hinzu. Laut seinen statistischen Genanalysen muss nicht nur eine weitere Kreuzung mit anderen mittlerweile ausgestorbenen Vertretern der Gattung Homo stattgefunden haben. Sondern mehr noch: „Die Ergebnisse legen nahe, dass genetischer Austausch zwischen morphologisch unterschiedlichen Formen ein weit verbreitetes Merkmal der menschlichen Evolution war“, fassen die Forscher zusammen.

Spätfolgen eines Aufeinandertreffens

Neandertaler und Denisova begegneten den modernen Menschen in Europa und Asien. Und nur in den dortigen Populationen hinterließen sie ihre Erbfaktoren. Doch diesmal ist der Ort des Geschehens Zentralafrika, wo sich der Großteil der Menschwerdung abspielte. Der Zeitraum laut Hammer und Kollegen: 60.000 bis 20.000 Jahre vor der Gegenwart. Damals hatten Artgenossen des anatomisch modernen Menschen schon längst Afrika verlassen. In Europa rang derweil der Neandertaler vergebens um das Überleben seiner Art.

Leider hat sich in den afrikanischen Skelettresten dieser Zeit zu wenig genetisches Material erhalten, um es wie die Neandertaler-DNA zu extrahieren. Stattdessen verlegten sich Hammer und Team auf eine indirekte Methode. Sie sequenzierten Erbgutabschnitte von heute lebenden Angehörigen dreier Bevölkerungsgruppen südlich der Sahara – der Mandenka, Biaka und der San – und fahndeten darin nach den Spätfolgen eines Aufeinandertreffens.

Dabei bedienten sie sich eines statistischen Verfahrens, das von einem rekonstruierten Ur-Genom ausgehend verschiedene Vermischungsszenarien simulierte und mit einer Variante ganz ohne Einkreuzung verglich. Im Endeffekt erhielten sie so die Wahrscheinlichkeit, mit der eine bestimmte Gensequenz über den Umweg einer anderen Menschenart ins Genom der Homo-sapiens-Linie geraten sein könnte.

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