Galileo Galilei
Späte Gerechtigkeit für einen genialen Ketzer

Mehr als drei Jahrhunderte brauchte die katholische Kirche, um ein epochales Fehlurteil zu revidieren: Vor 20 Jahren wurde Galileo Galilei rehabilitiert. Doch die späte Gerechtigkeit ließ nicht alle Kritiker verstummen.
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RomDie Mühlen der kirchlichen Justiz in Rom mahlen mitunter langsam. Mehr als dreieinhalb Jahrhunderte mussten vergehen, bis der Vatikan am 31. Oktober 1992 mit dem einstigen Ketzer Galileo Galilei (1564-1642) seinen Frieden machen konnte.

Immerhin 13 Jahre waren zuvor noch notwendig gewesen, um die Arbeit der von Papst Johannes Paul II. im November 1979 eingesetzten Kommission zu beenden, die den bekannten toskanischen Gelehrten aus Pisa rehabilitieren sollte. Die späte Gerechtigkeit für Galilei stellte jedoch nicht alle Kritiker zufrieden.

„Merkwürdigerweise zeigte sich Galilei als aufrichtig Glaubender weitsichtiger als seine theologischen Gegner“, so hielt Johannes Paul II. in seiner historischen Wiedergutmachungsrede am 31. Oktober 1992 an der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften fest. Und er zitiert Galilei aus einem Brief: „Wenn schon die Schrift nicht irren kann, so können doch einige ihrer Erklärer und Deuter in verschiedener Form irren.“

Diesen Irrtum wollte der polnische Papst aus der Welt schaffen - und ging dabei nach Meinung einiger Kritiker nicht weit genug: Enttäuscht waren sie darüber, dass Johannes Paul II. meinte, Galileis Richter hätten seinerzeit „in gutem Glauben“ gehandelt. Wollte der konservative Kirchenführer damit auch der einst gefürchteten Inquisition Absolution erteilen? „Jahrhunderte nach Galileis historischem Triumph“ wolle sich die Kirche also mit der Wissenschaft versöhnen, kommentierte der „Corriere della Sera“ seinerzeit ironisch.

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