Gefundener Schädel
Der große Streit über den kleinen Hobbit

Ausgestorbene Menschenart oder nur ein kranker Homo sapiens? Ein vor vier Jahren auf der indonesischen Insel Flores gefundener Schädel gibt Forschern weltweit immer noch Rätsel auf. Die Debatte um den Schädel eines Wesens, das als „Hobbit“ bekannt wurde, wird immer schärfer. Dabei war für die Entdecker der Befund zunächst eindeutig.

DÜSSELDORF. Manchmal scheint sich die Geschichte doch zu wiederholen. Nachdem 1856 im Neandertal bei Düsseldorf der Schädel und die Gebeine des wohl berühmtesten Urmenschen entdeckt worden waren, herrschte jahrelang Uneinigkeit darüber, von wem diese Knochen stammten. Die einen waren – zur Recht – überzeugt, dass es sich um eine andere Menschenart handelte, die anderen hielten dies für unmöglich.

150 Jahre später streiten sich die Paläoanthropologen erneut über einen Schädel und ein paar Gebeine. Und wieder lautet die Frage: Bisher unbekannte Menschenart oder Homo sapiens mit krankhaft kleinem Kopf (Mikrozephalie)? Das Streitobjekt ist der Schädel eines Wesens, das als „Hobbit“ bekannt wurde, benannt nach dem Zwergenvolk in Tolkiens „Herr der Ringe“. Ein australisch-indonesisches Forscherteam fand den Schädel und ein paar bröselige Knochen 2003 in einer Höhle auf der indonesischen Insel Flores. Gerade mal einen Meter groß soll die 30 Jahre alte Frau gewesen sein.

Alle paar Monate erscheint nun ein neuer Forschungsartikel, der Belege für die eine oder andere Seite liefert. Dabei konzentriert sich der Streit vor allem auf die Größe, Form und einzelne Teile des Kopfes, wie etwa das Kinn, das zum Schädel eines Homo sapiens gehört, bei LB 1 aber fehlt (LB=Liang Bua, Name der Höhle). Oder die Zähne der Hobbit-Frau, die wiederum denen moderner Menschen ähneln.

Dabei war für die Entdecker der Befund zunächst eindeutig: „Am Schädel konnte man gleich erkennen, dass es kein moderner Mensch war“, sagte Mike Morwood, von der University of New England in Armidale, Australien. Kollege Peter Brown ließ sich vom Fachmagazin „Nature“ zitieren, das den Fund im Oktober 2004 präsentierte: „Mir fiel die Kinnlade runter, als ich das Gehirn vermessen hatte.“ Mit knapp 400 Kubikzentimetern war es so klein wie das eines Babys oder eines Schimpansen. Brown und Morwood waren überzeugt: Dies ist eine neue Art der Gattung Mensch.

Sie nannten das Wesen nach dem Entdeckungsort: Homo floresiensis. Es wäre die letzte ausgestorbene Homo-Art, die noch gleichzeitig mit dem anatomisch modernen Menschen lebte. Denn als die kleine Frau vor 18 000 Jahren über ihre Insel lief, waren die Neandertaler schon ausgestorben.

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