Forschung + Innovation
Gentest beweist Verwandtschaftsbeziehungen nach 3000 Jahren

In der Lichtensteinhöhle im Südharz haben Forscher die Überreste von 15 Mitgliedern eines rund 3000 Jahre alten Familienclans gefunden. Der Clou: Die verwandtschaftlichen Beziehungen sind durch genetische Fingerabdrücke bewiesen worden.

dpa OSTERODE. In der Lichtensteinhöhle im Südharz haben Forscher die Überreste von 15 Mitgliedern eines rund 3000 Jahre alten Familienclans gefunden. Der Clou: Die verwandtschaftlichen Beziehungen sind durch genetische Fingerabdrücke bewiesen worden.

„Etwas Vergleichbares wurde weltweit bisher noch nirgends entdeckt“, schwärmte der Osterode Kreisarchäologe Stefan Flindt am Freitag. „Die DNA der Knochen ist so gut erhalten, dass kein Zweifel besteht.“ Der Fund sei für die Archäologie, aber auch für andere Wissenschaften wie etwa die Medizin von einzigartiger Bedeutung.

Die Grabungen in der weitgehend unversehrten bronzezeitlichen Lichtensteinhöhle laufen bereits seit etwa zehn Jahren. Die Forscher haben dabei die Reste von insgesamt 39 Menschen und zahlreichen Haustieren der damaligen Zeit sowie viele Spuren von Kulthandlungen entdeckt. Doch erst jetzt werde klar, welcher Glücksfall die Höhle für die Forschung sei, sagte Osterodes Erster Kreisrat Gero Geißlreiter.

Denn die Knochen und die übrigen Funde sind wegen der stetigen „Kühlschranktemperatur“ von acht Grad Celsius und der günstigen chemischen Bedingungen im umgebenden Gipsgestein extrem gut erhalten. Das Anthropologische Institut der Universität Göttingen konnte deshalb anhand genetischer Fingerabdrücke das verwandtschaftliche Beziehungsgeflecht zwischen den bestatteten Menschen nachweisen.

„Da ist zum Beispiel ein Mann, der erst mit einer Frau eine gemeinsame Tochter hatte“, sagte Kreisarchäologe Flindt. Nachdem diese Frau gestorben war, habe er mit einer zweiten Frau eine weitere Tochter bekommen. Bei drei anderen Menschen handele es sich um ein Großeltern-, ein Elternteil und ein Kind. Die DNA sei teilweise so gut erhalten, dass sogar die Haarfarbe einzelner Familienmitglieder sicher bestimmt werden konnte. „Sie war brünett“.

„Wir wissen auch, dass die Menschen in der Höhle bestattet wurden“, erklärte der Kreisarchäologe. Zur Todesursache fehlen dagegen zumeist noch klare Erkenntnisse. „Es gibt aber keine Anzeichen von Gewalt“. Die Menschen seien „ähnlich groß gewesen wie wir heute. Sie sind zum Teil auch richtig alt geworden. Eine Frau war fast 70“.

Die Funde sollen künftig in einem originalgetreuen Teilnachbau der Lichtensteinhöhle bei Bad Grund präsentiert werden. Der Landkreis Osterode setzte darauf, dass das Land Niedersachsen ein solches Höhleninformationszentrum finanziell fördert, sagte Geißlreiter.

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