Gespräch mit Bundesforschungsministerin Edelgard Buhlmann
„Schneller zu neuen Produkten“

Das Handelsblatt sprach mit Bundesforschungsministerin Edelgard Buhlmann anlässlich des neuen Instituts für Nanoelektronik in Dresden.

Wie wichtig ist Nanotechnologie für die deutsche Wirtschaft?

Deutschland ist bereits heute weltweit führend in der nanotechnologischen Forschung. Bei der Umsetzung in Produkte gibt es aber noch Nachholbedarf. Um dies zu beschleunigen, gehen wir beim nanoelektronischen Fraunhofer-Center in Dresden erstmals den Weg der ganz engen Zusammenarbeit mit der Industrie: Durch die Kombination von Produktions- und Technologiestandort wird Dresden zum Spitzenstandort. Das wird wegweisend sein für die Förderung in anderen nanotechnologischen Forschungsbereichen.

Nanotechnologie gilt nicht nur in der Mikroelektronik als Zukunftstechnologie schlechthin.

Wir gehen heute davon aus, dass es vier Felder gibt, in denen Nano den Durchbruch bringen wird. Diese Leitinnovationen fördern wir in den nächsten vier Jahren mit rund 200 Millionen Euro. Neben der Mikroelektronik spielt die Technologie der Mini-Teilchen vor allem beim Automobilbau eine entscheidende Rolle: Von kratzfesten Lacken über Reifen mit verbesserten Eigenschaften bis hin zu optimierter Verbrennung und leistungsfähigeren Batterien. Das Faszinierende dabei ist, dass sich die neuen Materialien während des Gebrauchs flexibel auf neue Anforderungen einstellen – ein Reifen bei verschiedenen Straßenbelägen härter oder weicher wird oder eine Scheibe bei zunehmender Sonne dunkler.

Wo sind die Aussichten durch Nano noch besonders groß?

Große Hoffnung gibt es in der Medizintechnik und der Pharmaforschung. So sollen „funktionalisierte Nanopartikel“ künftig nicht nur Wirkstoffe gezielt an bestimmte Stellen im Körper transportieren, sondern sich auch als Kontrastmittel in Tumoren anreichern. Zudem hofft man darauf, etwa in Lebertumoren Eisenpartikel einschleusen zu können, die von außen erwärmt den Tumor zerstören können. Ein anderes Beispiel sind Biochips, mit denen in Minutenschnelle etwa die Medikamentenverträglichkeit bei einzelnen Patienten oder auch eine akute Blutvergiftung diagnostiziert werden kann. In der Optik geht es vor allem um den Einsatz von Leuchtdioden, so genannten LEDs. Anders als herkömmliche Lichtquellen sind diese sehr klein. Daneben bietet die Nanotechnologie die Möglichkeit, auch optische Linsen nanometergenau – also auf den Milliardstel Meter genau – zu fertigen.

Andere Länder streiten heftig über die Risiken der Nanotechnologie, gerade in der Medizin.

Es gibt keinen Anlass zur Sorge. Die deutsche Forschung ist gerade bei der Risikominimierung sehr weit. Ich werde mich auch beim nächsten G8-Gipfel der Forschungsminister für eine sachliche Information einsetzen. Das größte Risiko bei der Nanotechnologie besteht aber darin, ihre Chancen nicht zu nutzen.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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