Gesundheit
Genetischer Fingerabdruck eröffnet neue Chance

Der genetische Fingerabdruck eröffnet neue Chancen für die individualisierte Therapie kranker Menschen. Zur Eröffnung des 112. Internistenkongresses in Wiesbaden sagte der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (Dgim), Prof.

dpa WIESBADEN. Der genetische Fingerabdruck eröffnet neue Chancen für die individualisierte Therapie kranker Menschen. Zur Eröffnung des 112. Internistenkongresses in Wiesbaden sagte der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (Dgim), Prof. Werner Seeger, Ärzte behandelten ihre Patienten bislang vor allem gruppenspezifisch.

Mit der molekularen Analyse ließe sich die Therapie viel genauer auf den einzelnen Patienten abstimmen. Bis Mittwoch werden 6 000 bis 7 000 Besucher auf dem Kongress erwartet. Schwerpunktthema ist neben der individualisierten Therapie die regenerative Medizin, also das Nachwachsen entfernter Organteile.

Zunehmend könnten Ärzte die Prozesse einer Krankheit analysieren und daher besser verstehen und in der Behandlung berücksichtigen, sagte Seeger. „Oft ist ein Patient nicht an einer einzelnen Krankheit erkrankt, sondern sie setzt sich aus vielen verschiedenen zusammen“, ergänzte Prof. Wolfgang Hiddemann. Als Beispiel nannte er die häufigste Form des Blutkrebses (akute myelogische Leukämie). Zur Behandlung müsse man einen sehr individuellen Medikamenten-Mix verabreichen.

Die molekulare Analyse ermögliche zudem, die Wirkung verschiedener Medikamente besser zu erforschen. „Mit Viagra lässt sich beispielsweise auch eine bestimmte Form von Lymphdrüsenkrebs behandeln“, sagte Prof. Hiddemann. Die Medizin sei auf dem richtigen Weg, auch wenn die weit reichende individualisierte Therapie noch ein Fernziel sei.

Bei der regenerativen Medizin ist laut Dgim-Vorsitzendem Prof. Seeger „die Schwelle zur Realisierung überschritten“. Schon heute würden adulte Stammzellen genutzt, um nach einem Herzinfarkt die Narbenbildung einzudämmen. „Es gibt Lurche, denen man ein Teil vom Herzen wegschneidet, das dann nachwächst“, erklärte Seeger. Ähnliche Reparaturprozesse existierten auch im menschlichen Körper etwa für die Lunge und müssten nur angestoßen werden.

Kritik äußerten die Internisten an Politik und Krankenkassen. Beide ließen Forschern und Praktikern zu wenig Spielraum. Ausreichend Geld sei vorhanden, sagte Prof. Hiddemann. „Das wird aber für die Kontrolle von Ärzten ausgegeben und nicht für Behandlungsmethoden“, kritisierte er.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%