Gewaltige Nachfrage
Zeckenimpfstoff wird in diesem Jahr knapp

Die Angst vor dem Biss treibt die Deutschen zum Arzt: Immer mehr Menschen lassen sich gegen die durch Zecken übertragene Hirnhautentzündung impfen. Die Prävention ist so weit verbreitet, dass mittlerweile die Versorgung mit Impfstoff schwierig wird.

hsn/dpa DÜSSELDORF. Wegen der großen Nachfrage könnte in diesem Jahr der Impfstoff gegen eine von Zecken übertragene Hirnentzündung erstmals in Deutschland knapp werden. Im Frühjahr haben sich schon extrem viele Menschen gegen die so genannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) impfen lassen. Das zuständige Paul-Ehrlich-Institut in Langen bei Darmstadt hat bereits rund eine Million Impfdosen mehr freigegeben als im gesamten Jahr 2006 – damals waren es 5,7 Millionen Dosen.

Als Gründe für die hohe Nachfrage nannte Instituts-Sprecherin Susanne Stöcker die hohe Zeckenzahl nach dem milden Winter und die Ausweitung der FSME-Risikogebiete durch das Robert Koch-Institut. „Es wird sicher noch etwas Impfstoff nachkommen, aber das kann Wochen dauern“, sagte Stöcker. Im Moment müsse besonders genau hingeschaut werden, wer noch etwas brauche und wer nicht.

Die Nachfrage sei explodiert, sagt auch Irene von Drigalski, Sprecherin des Impfstoffherstellers Novartis Behring in Marburg. Sie übersteige die vorhandenen Bestände und Planungen. „Wir haben in diesem Jahr schon fast doppelt so viel produziert wie im Vorjahr“, so Drigalski. Die letzten 1,6 Millionen Dosen des Impfstoffs würden zurzeit ausgeliefert.

Novartis Behring bedient damit die vorliegenden Bestellungen sowie bis Juli den Großhandel – und hier bevorzugt die FSME-Endemiegebiete. Ob die Impfstoffmenge ausreichen wird, hängt vor allem davon ab, wie viele Impfdosen noch in den Arztpraxen vorhanden sind und wie sich die weitere Nachfrage entwickelt. „Hierzu gibt es keine Zahlen“, sagt Drigalski. Um im nächsten Jahr besser gerüstet zu sein, will Novartis Behring die Produktionskapazitäten weiter ausbauen.

Auch beim zweiten der beiden FSME-Impfstoffhersteller in Deutschland sieht es nicht besser aus: Die Nachfrage sei in diesem Frühjahr enorm stark gestiegen – momentan können man dem erhöhten Bedarf nicht nachkommen, sagte ein Sprecher der Baxter Deutschland in Heidelberg.

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