Gründe für DVD-Erfolg vielfältig
Boom der DVD geht ins vierte Jahr

Die „Silberlinge“ namens Digital Versatile Disc (DVD) erweisen sich für die Medienkonzerne als wahre Goldtaler. Das Geschäft mit Filmen auf DVD boomt: Bereits im dritten Jahr hintereinander erzielt der deutsche Videogesamtmarkt nach Angaben des Bundesverbandes Audiovisuelle Medien (BVV) Rekordumsätze mit DVD- und VHS-Bildträgern.

DÜSSELDORF. 1,4 Mrd. Euro Umsatz erzielte die Branche im Jahr 2002, ein Zuwachs von mehr als 20 % im Vergleich zum Vorjahr. Mehr als die Hälfte des Umsatzes entfiel auf DVDs – ihr Umsatz stieg um 75 %. Der schnelle Anstieg der DVD-Verkaufszahlen glich auch den Rückgang des Marktes für Videokassetten aus – der Umsatz von VHS sank im vergangenen Jahr um knapp 17 %.

Auch europaweit konnte sich die DVD trotz der Konjunkturkrise als Massenprodukt etablieren: In Deutschland, England, Frankreich, Italien und Spanien stieg der DVD-Absatz laut der DVD Entertainment Group Europe im ersten Quartal 2003 auf 55,7 Millionen Discs von 33,9 Millionen im ersten Quartal 2002. England deckt mit mehr als 25 Millionen verkauften Discs fast die Hälfte des westeuropäischen Marktes ab.

„Ich erwarte für 2003 erneut ein Rekordergebnis“, prognostiziert der stellvertretende Geschäftsführer des BVV, Oliver Trettin. Ob der Boom tatsächlich anhält, ist unter den Anbietern allerdings umstritten: Während der deutsche Disney-Ableger Buena Vista noch davon ausgeht, sein DVD-Geschäft im Jahr 2003 gegenüber dem Vorjahr nahezu zu verdoppeln, sieht die Bertelsmann-Tochter Universum Film bereits ein Ende der Erfolgswelle. „Das in den letzten Jahren rasante Wachstum verlangsamt sich“, sagt Universum-Manager Stefan Mesner. Eine Marktsättigung sei aber noch nicht erreicht. Auch Universal Pictures, die deutsche Vertriebstochter des Medienkonzerns Vivendi Universal, kalkuliert vorsichtig. 2003 erwartet Marketingdirektor Murat Isgüder zwar „ein sehr gutes Ergebnis mit positiver Wachstumsrate“. Er zweifle aber daran, dass es auf dem Niveau der letzten Jahre bleibe. Wegen der anhaltendenKonsumflaute seien die Marktpartner sehr preisaggressiv. Auch wenn die Absatzmengen weiter zunähmen seien bei den Gewinnen auf Grund des Preiskampfes keine Wachstumsraten mehr zu erwarten wie im Vorjahr.

Für den DVD-Erfolg in Deutschland gibt es laut Branchenverband viele Gründe: DVD-Abspielgeräte seien oftmals preiswerter als Video-Rekorder; 2002 seien nach massiven Preissenkungen 40 000 mehr verkauft worden als im Vorjahr. Auch der Absatz DVD-kompatibler Geräte (Computer, Playstation) ist gestiegen. Qualitätsvorteile der DVD und eine leichtere Handhabung gelten als weitere Erfolgsgründe.

Unterdessen droht der boomenden DVD-Branche Ungemach durch Piraterie im Internet. „Ebenso wie die Musikindustrie werden auch wir vom Trend zur illegalen oder auch legalen Massenkopie bedroht“, sagt Universum-Manager Mesner. Eine Studie des Nürnberger Marktforschungsunternehmens GfK bestätigt dies: Mehr als die Hälfte aller Bundesbürger verfüge über einen CD-Brenner – und von 515 Millionen CDs seien im vergangenen Jahr auf fast 60 Millionen Kino- oder Spielfilme gebrannt worden. Bislang schaden die ungesetzlichen Raubkopien vor allem den Videotheken, die mit erheblichen Umsatzeinbrüchen zu kämpfen haben.

Nach Einschätzung des Geschäftsführers der Boston Consulting Group, Heino Meerkatt, wird die Bedrohung illegal kopierter DVDs erst ein ähnliches Niveau wie in der Musikindustrie erreichen, sobald sich eine Raubkopie ebenso einfach wie dort erstellen lasse. Das Thema Piraterie sei aber derzeit noch nicht das beherrschende Thema, meint er. Vielmehr könne der DVD-Markt weiter wachsen, wenn es beispielsweise gelänge, den zeitlichen Abstand zwischen einem Kino-Start und dem Erscheinen einer DVD zu verkürzen, sagt der Branchenexperte.

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