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Hai „Nicole“ schwimmt in Rekordtempo durch Indischen Ozean

Ein Weißer Hai namens Nicole hat innerhalb von neun Monaten zwei Mal den Indischen Ozean zwischen Südafrika und Australien durchquert. Damit stellte das Weibchen für die mehr als 20 000 Kilometer lange Strecke einen neuen Geschwindigkeitsrekord unter allen schwimmenden Meerestieren auf.

dpa WASHINGTON. Ein Weißer Hai namens Nicole hat innerhalb von neun Monaten zwei Mal den Indischen Ozean zwischen Südafrika und Australien durchquert. Damit stellte das Weibchen für die mehr als 20 000 Kilometer lange Strecke einen neuen Geschwindigkeitsrekord unter allen schwimmenden Meerestieren auf.

Das berichtet ein Team internationaler Forscher im Fachblatt „Science“ (Bd. 310, S. 100). Ihre Untersuchung widerlege die bisherige Annahme, dass weibliche Weiße Haie Ozeane nicht durchquerten und betone zudem die Notwendigkeit internationaler Schutzmaßnahmen auch außerhalb der Küstengewässer. Der Rekord-Hai erhielt von den Forschern den Namen Nicole zu Ehren der australischen Filmschauspielerin und erklärten Hai-Liebhaberin Nicole Kidman.

Die Wissenschaftler um Ramón Bonfil von der Wildlife Conservation Society in New York hatten mehrere Weiße Haie (Carcharodon carcharias) vor der Westküste Südafrikas mit Satelliten- oder akustischen Markern gekennzeichnet. „P12“, so der wissenschaftliche Name des Rekord-Hais, wurde am 7. November 2003 nahe dem afrikanischen Gansbaai markiert. In 99 Tagen schwamm das Tier dann durch den Indischen Ozean bis vor die Westküste Australiens. Dabei legte es den 11 100 Kilometer weiten Weg mit einer Mindestgeschwindigkeit von 4,7 Kilometern pro Stunde zurück.

Am 20. August 2004 sichteten die Forscher den Hai wieder am südafrikanischen Ausgangsort. Wie der Hai seinen Weg nach Australien und zurück gefunden hat, ist bislang unklar. Außer einigen flachen unterseeischen Bergen gebe es auf der Strecke keine topographischen Wegweiser. Auswertungen der Satellitendaten ergaben, dass der Hai einen Großteil der Zeit relativ nah - bis maximal fünf Meter - unter der Oberfläche schwamm. Eventuell ermöglichte ihm dies, sich am Himmel zu orientieren. Häufig tauchte der Hai aber auch auf Tiefen von bis zu 980 Metern ab, wobei er stellenweise einer Temperatur von nur 3,4 Grad Celsius ertrug.

Die Langstreckenwanderung sei vermutlich kein Einzelfall und lege nahe, dass es einen Austausch zwischen zwei der wichtigsten Populationen Weißer Haie gebe. Es sei denkbar, dass die Tiere zur Paarung nach Australien wandern und zur Geburt der Jungen in ihre Heimat zurückkehren, schreiben die Wissenschaftler. Beobachtungen an anderen Weißen Haien zeigten, dass die Tiere auch vor den Küstengewässern lange Wanderungen von mehr als 2000 Kilometern unternehmen, häufig aber wieder in ihre Ausgangsgewässer zurückkehren. Die Untersuchung mache deutlich, dass das Wanderungsverhalten Weißer Haie komplexer sei als bislang angenommen.

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