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"Halbzeit" für Lea und Tabea

Lea und Tabea haben es „halbwegs“ geschafft. Die Siamesischen Zwillinge aus Lemgo in Nordrhein-Westfalen waren am Mittwochabend nach fast achtstündiger anhaltender Operation „stabil und wohlauf“, wie die Klinik in der US-Stadt Baltimore mitteilte.

dpa BALTIMORE. Lea und Tabea haben es „halbwegs“ geschafft. Die Siamesischen Zwillinge aus Lemgo in Nordrhein-Westfalen waren am Mittwochabend nach fast achtstündiger anhaltender Operation „stabil und wohlauf“, wie die Klinik in der US-Stadt Baltimore mitteilte.

Die Chirurgen hatten den schwierigsten Teil der Trennung zu diesem Zeitpunkt etwa zur Hälfte bewältigt. Sie müssen den Kranz von Blutgefäßen aufteilen, den sich die einjährigen Babys unter der gemeinsamen Schädeldecke teilen. Beide Mädchen haben eigene Gehirne, die aber von den gemeinsamen Blutgefäßen genährt wurden.

„Die Trennung dieser Blutgefäße ist die größte Herausforderung der Operation“, erläuterte eine Sprecherin der Johns Hopkins Universitätsklinik. Glücklicherweise verlaufe der Eingriff „ganz nach Plan“. Wenn ein Blutgefäß oder Nerven verletzt werden, können Schlaganfälle, Blutungen und neurologische Schäden auf Lebenszeit auftreten.

Die Trennung war in der Nacht zum Sonntag wegen Komplikationen gestoppt worden. Ein zweimaliger vorübergehender Herzstillstand bei Tabea hatte das Team um den Neurochirurgen Benjamin Carson zum vorläufigen Abbruch des riskanten Eingriffs bewogen, berichtete der „Stern“ auf seiner Internetseite. Die Zwillinge wurden in den 82 Stunden bis zur Fortsetzung am Mittwoch unter Narkose gehalten.

Ihre Eltern sehen dem Fortgang des Eingriffs zuversichtlich entgegen. „Es scheint so, dass Hoffnung da ist“, sagte Nicolai Reimer, der Leiter der Mennoniten-Gemeinde, der die Eltern Nelly und Peter angehören. Reimer steht in Kontakt mit den Großeltern der Zwillinge.

Kliniksprecherin Kim Hoppe zufolge rechnen die Chirurgen mit einer Operationsdauer von zehn bis 15 Stunden. Das heißt, dass Lea und Tabea noch vor Mitternacht Ortszeit (6.00 Uhr Mesz am Donnerstag) auf die Intensivstation verlegt werden könnten. Sie haben statistisch gesehen nur eine 50-prozentige Chance, die Trennung zu überleben.

Die Zwillinge aus Lemgo hatten doppeltes Pech. Sie haben die schwierigste aller Verwachsungen, mit der nur zwei Prozent aller Siamesischen Zwillinge zur Welt kommen. Ein Fall wie ihrer kommt nur ein Mal bei zehn Mill. Geburten vor. Eine Abtreibung kam für Mutter Nelly aus religiösen Gründen nicht in Frage.

Folgeschäden werden oft erst später sichtbar. Von den weltweit 30 Kindern, die Trennungen an der Schädeldecke überlebt haben, sind 17 behindert. Nur sieben können ein ganz normales Leben führen. Hoppe hatte sich anfangs recht optimistisch gegeben. „Wir wollen den beiden Mädchen ein gesundes und unabhängiges Leben schenken“, sagte sie der dpa.

Der federführende Neurochirurg Carson gilt als einer der erfahrensten Ärzte weltweit für die Trennung Siamesischer Zwillinge am Oberkopf. Er hat die Operation bereits vier Mal ausgeführt - nach Berichten in Fachzeitschriften allerdings nur einmal mit wirklich positivem Ausgang. Im vergangenen Sommer starben Siamesische Zwillinge, 29-jährige Frauen aus Iran, auf seinem Operationstisch.

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