Hilfe für Allergiker
Impfung gegen Nahrungsallergie

Allergien können tödlich sein. Alleine in den USA sterben jedes Jahr 150 bis 200 Menschen an einer Nahrungsmittelallergie. Eine Heilung ist bisher nahezu ausgeschlossen. Nun können Allergiker hoffen: Deutsche Forscher entwickeln mit genveränderten Viren eine Therapie für Allergiker – doch es gibt juristische Hindernisse.

DÜSSELDORF. Eine einzige Nuss. Oder war es nur eine halbe? Für die junge Frau spielt das in diesem Augenblick keine Rolle mehr. Sie ringt röchelnd nach Luft. Ihr Gesicht ist krebsrot. Die Hände schwitzen. Mit erstickender Stimme murmelt sie: „Die Allergie.“ – Sie hat Glück, denn sie befindet sich im Augenblick dieses anaphylaktischen Schocks an Bord eines Flugzeugs. Die Stewardessen kennen sich aus. Sie wühlen sofort das Atemspray aus der Handtasche der Frau und geben ihr eine Adrenalinspritze in den Oberschenkel. Die Medikamente lassen die Schwellung der Schleimhäute nach wenigen Minuten abklingen. Ihr Atem wird allmählich leiser und ruhiger.

Der hypothetische Zwischenfall hätte jedoch auch anders ausgehen können. Alleine in den USA sterben jedes Jahr schätzungsweise 150 bis 200 Menschen an einer Nahrungsmittel-Allergie. Genaue Zahlen gibt es nicht. „Diese Allergien sind weitaus gefährlicher als Heuschnupfen“, betont Stefan Vieths, Leiter der Abteilung Allergologie im Paul-Ehrlich-Institut in Langen.

Etwa drei Prozent der Erwachsenen und vier bis sechs Prozent der Kinder werden hierzulande von einer Lebensmittelunverträglichkeit geplagt. Bei den Sprösslingen mit Kuhmilch- oder Hühnerei-Allergie verwächst sich diese meist im Alter von drei bis fünf Jahren. Vor allem Nuss-Allergiker werden jedoch ein Leben lang geplagt. Wal-, Erd- und Haselnuss sind für die Betroffenen besonders gefährlich: Schon wenige Krümel können den Körper an den Rand des Abgrunds führen.

Eine Heilung gibt es bisher nicht. „Es hilft nur die konsequente Vermeidung des Lebensmittels, das die Allergie auslöst“, so der Ärzteverband Deutscher Allergologen. Der Speiseplan schrumpft dadurch gerade für Nuss- und Ei-Allergiker stark zusammen. Das ist ein starker Einschnitt in die Lebensqualität und keine besonders akzeptable Lösung, findet Vieths.

Er forscht deshalb gemeinsam mit Gerd Sutter, dem Virologen des Paul-Ehrlich-Instituts, an einer Impfung gegen Hühnerei-, Haselnuss- und Krabben-Allergie mit Hilfe der neuen Möglichkeiten der Gentechnik: Sie beladen entschärfte Pockenviren mit einem Gen, das den Bauplan für das Allergen beinhaltet, also den Stoff, der die allergische Reaktion auslöst. „Das hört sich gefährlich an, aber das Virus hat seine krankmachenden Eigenschaften vollständig verloren. Es kann Zellen infizieren, sich jedoch nicht mehr vermehren“, erläutert Sutter. Das verkrüppelte Virus befällt die Zellen rund um den Einstich. Es dringt in Gewebe- und Blutzellen ein und stellt in diesen das Allergen her.

Die Immunabwehr akzeptiert diese Eiweißstoffe als körpereigen. Aus den eigenen Zellen kommend, tragen sie einen spezifischen Passierschein, mit dem die Substanzen der Körperpolizei, dem Immunsystem, entwischen. Auf diese Weise, hoffen die Forscher, wird das Immunsystem allmählich mit den Fremdlingen vertraut, und die Allergie klingt ab. Mit einer oder zwei Impfungen könnte das Immunsystem lebenslang umprogrammiert werden. „Diese Therapie sollte keine Nebenwirkungen hervorrufen“, glaubt Vieths. Wenn die Körperzellen um den Einstich nach einigen Tagen abgestorben sind, gehen mit ihnen die Viren darin zugrunde, und es wird auch kein Allergen mehr gebildet.

Seite 1:

Impfung gegen Nahrungsallergie

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%