Hochgeschwindigkeitszüge
ICE und TGV machen Tempo gegen die Flieger

Schnellzüge versus Flugzeuge: Europäische Hochgeschwindigkeitszüge werden zur Konkurrenz des Luftverkehrs. Im Kampf um Kunden setzen die Zugbetreiber auf intensives Marketing - und umwerben die zahlungskräftige Klientel der Travel-Manager. Ab 2010 dürfte der Wettbewerb auf der Schiene durch neue Marktteilnehmer an Fahrt gewinnen.

PARIS. Die neuen Töchter gibt es bisher nur auf dem Papier: Ryanrail, Easyrail, Rail Berlin und Germanwheels. Ein Grafiker hat die Schriftzüge den Logos der Mütter angepasst - Ryanair, Easyjet, Air Berlin und Germanwings. Ob die Töchter je an den Start gehen, steht in den Sternen. Doch mit solcher oder ähnlicher Konkurrenz rechnen Europas Bahnen demnächst beispielsweise auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken von TGV, ICE oder Thalys.

Denn mit ihren Schnellstzügen jagen die Bahnen den Airlines selbst mehr und mehr Kundschaft auf ehemaligen Brot- und Butter-Routen ab. Zwischen London, Amsterdam, Brüssel, Paris, Köln, Frankfurt und Stuttgart steigt nach intensivem Marketing der Zugbetreiber vor allem die voll zahlende Geschäftsreiseklientel in die Tempo-300-Züge um.

"Wir umwerben gezielt Travel-Manager großer Firmen in Südwestdeutschland, die intensive Drähte nach Frankreich haben", sagt etwa Frank Hoffmann, Geschäftsführer von Alleo. Die Gemeinschaftsfirma der Staatsbahnen Deutsche Bahn und SNCF vermarktet das neue ICE- und TGV-Angebot zwischen Paris, Frankfurt und Stuttgart, das die Reisezeiten auf maximal vier Stunden schrumpfen lässt. Mit Erfolg: "Wenn wir die Klientel einmal gewonnen haben, wollen die auf der Paris-Strecke nicht mehr fliegen", sagt Hoffmann.

Die Deutsche Lufthansa sieht zwar noch keine "nachhaltigen Auswirkungen", sagt ein Sprecher. Aber die Tochter Germanwings kündigte bereits die Einstellung ihrer Billigflugverbindungen von Stuttgart und Köln nach Paris ein. Geschäftsführer Thomas Winkelmann gab kürzlich in einer Pressekonferenz unumwunden zu, dass die schnelle Bahn von Stadtzentrum zu Stadtzentrum in diesen Relationen einfach besser ist. In Frankreich reagierte Air France-KLM ähnlich und kündigte bereits die Aufgabe innerfranzösischer Strecken zugunsten des TGV an.

"Das Ziel ist es, den Flieger aus unseren Märkten herauszudrängen", sagt Wolfgang Merz, Entwicklungs- und Marketingchef von Thalys - derzeit ein Joint Venture der Bahnen aus Frankreich, Belgien und Deutschland. Vom kommenden Jahr an sollen die bordeaux-roten Thalys-Züge von Köln nach Paris nur noch drei Stunden und 13 Minuten fahren. Dann ist das letzte Stück Neubaustrecke zwischen Lüttich und Aachen fertig. Merz rechnet mit einem "ungeheuren Nachfrageschub" vor allem bei Geschäftsreisen. Das Schwesterprodukt Eurostar, das zwischen Paris sowie Brüssel und London pendelt, schafft es seit vergangenem Jahr von der Seine an die Themse in zweieinviertel Stunden Reisezeit via Kanaltunnel.

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