Hochgeschwindigkeitszug AGV
Neue Runde im Rennen der Superzüge

Konkurrenz für den ICE: Im Herbst entscheidet die Deutsche Bahn, wer in Zukunft ihre Hochgeschwindigkeitszüge bauen wird. Mit dem TGV-Nachfolger AGV rechnet sich der französische Bahntechnik-Hersteller Alstom gute Chancen aus, den Zuschlag zu bekommen. Denn mit dem AGV schicken die Franzosen nun einen Zug ins Rennen, der in einem entscheidenden Punkt mit dem ICE 3 von Siemens gleichzieht.

VELIM. Bei 120 bleiben die roten Zahlen der elektronischen Geschwindigkeitsanzeige im Cockpit unter den kühn gewölbten Frontscheibe erst einmal stehen. Sanft und fast lautlos gleitet die in eleganten Grau- und Anthrazittönen gehaltene Wagenschlange mit den markanten, windschnittigen Schnauzen an beiden Enden über das 13 Kilometer lange Schienenoval des Bahn-Testzentrums von Velim, eine Autostunde östlich von Prag.

Von Tempo 300 und mehr ist der AGV, der jüngste Stolz des französischen Bahntechnik-Herstellers Alstom, noch weit entfernt: Vollgestopft mit Messgeräten und Sensoren steht der Zug bei jeder Bewegung unter ständiger Beobachtung von 15 Alstom-Ingenieuren – von den Rädern und den Bremsen bis zu den Stromabnehmern. Rund 60 000 Kilometer wird er in den nächsten Wochen zurücklegen und sich dabei bis zu 200 Stundenkilometer vortasten.

Mit dem AGV – die Abkürzung steht für Automotrice à grande vitesse und bedeutet so viel wie Hochgeschwindigkeitstriebwagen – wollen die Franzosen, die sich im Weltmarkt der Hochgeschwindigkeitszüge einen Anteil von 46 Prozent zuschreiben, endlich auch in Deutschland Geschäfte machen. Er rechne sich „gute Chancen aus, dass Alstom im Herbst den Zuschlag bekommt, wenn die Deutsche Bahn darüber entscheidet, welche neuen Hochgeschwindigkeitszüge sie kaufen wird“, erklärte Philippe Mellier, Vorstand der Konzernsparte Transport, kürzlich vor Journalisten.

Die Deutschen wollen sieben bis 15 Hochgeschwindigkeitszüge ordern, mit denen sie westwärts fahren können – über die ICE-Linie Frankfurt – Paris hinaus. Bahn-Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch denkt besonders an die geplante Schnellstrecke von Straßburg durch das Burgund mit Anschluss an die Linie von Paris ans Mittelmeer: Da würden sich attraktive Verbindungen anbieten, etwa von Frankfurt bis nach Marseille.

Aus französischer Sicht liegt nahe, den Auftrag an Alstom zu vergeben – hat der Konzern doch jahrzehntelange Erfahrungen mit schneller Bahn im eigenen Land. Wettbewerber ist naturgemäß der ICE 3. Dessen Mehrsystem-Variante kann ebenfalls in Frankreich fahren, und sie wird von Hersteller Siemens als „Velaro“ gut ins Ausland verkauft: nach Spanien, Russland und China.

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