Im Herbst wird der erste Testsatellit für das europäische Ortungssystem gebaut
Galileo ordnet den Weltraum neu

Es klingt wie Science-Fiction: In zehn Jahren wird jedes Handy gleichzeitig ein Navigationsgerät sein. Ein kurzer Knopfdruck und schon wird der Nutzer zur gewünschten Adresse geleitet. Galileo, das weltgrößte Satellitenprojekt, soll das ermöglichen. Ganz nebenbei soll Galileo das Monopol des amerikanischen Global Positioning System (GPS) aufbrechen.

OTTOBRUNN. Aber nicht nur das. Flughäfen müssen nicht mehr ausgebaut werden, weil die Flugzeuge künftig über Satelliten effektiver und genauer überwacht und gesteuert werden und sich so die Kapazitäten des begrenzten Luftraums vergrößern.

All das und noch vieles mehr soll das weltgrößte Satellitenprojekt Galileo ermöglichen – und ganz nebenbei das Monopol des amerikanischen Global Positioning System (GPS) aufbrechen. Die Steuerung von Lastwagen-Flotten ist dann noch die kleinere Übung. Die Ortung und Verfolgung von Fischschwärmen ist dann nach den Vorstellungen der Planer genauso möglich wie die Überwachung von Großveranstaltungen wie den Olympischen Spielen.

Den Fantasien scheinen kaum Grenzen gesetzt. Durch die neuen Dienste sollen neue Märkte mit 100 000 Arbeitsplätzen entstehen. Der volkswirtschaftliche Nutzen soll bei 10 Mrd. Euro pro Jahr liegen. „Unser System ist genauer und sicherer als GPS“, sagt Günter Stamerjohanns, der Chef von Galileo Industries. Wenn das komplette System installiert ist, werden 30 Satelliten in drei Umlaufbahnen in 23 000 Meter Höhe eine lückenlose Abdeckung der Erde garantieren.

Stamerjohanns hat vor kurzem das alte Bölkow-Gebäude auf dem Firmengelände der europäischen Luftfahrt und Rüstungskonzern EADS bezogen. Der zweistöckige Zweckbau sieht trotz Komplettsanierung nicht gerade so aus, als ob von hier aus künftig das weltweit größte Satellitenprojekt gesteuert würde. Stamerjohanns gilt als uneitler Manager mit viel Verhandlungsgeschick. Denn das europäische Projekt war eine schwierige Geburt.

„Wir sind durch die internationale Koordination ein Jahr im Verzug, aber bis 2009 sind wir fertig“, sagt der Manager diplomatisch. Die Abstimmungsprobleme liegen in der Natur des ersten gemeinsamen Projektes der europäischen Raumfahrtagentur Esa und der Europäischen Union. Die Amerikaner entwickelten 1973 GPS für militärische Zwecke. Schon in den 80er Jahren wollten die Europäer nachziehen. Aber erst im Jahr 2000 haben sich die großen europäischen Raumfahrtfirmen zusammengetan und das Konsortium Galileo Industries gegründet.

Die Nähe zur EADS hat ihren Grund. Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern ist mit 43 Prozent der Anteile größter Einzelaktionär vor der französischen Alcatel Space (21,5 Prozent) und der Italienischen Alenia Spazio (21,5 Prozent). Weitere 14 Prozent liegen bei der spanischen GSS. Zu den Anteilseignern soll noch der französische Rüstungskonzern Thales stoßen. Erst nach großem Ringen vor allem mit den Italienern erhielt Deutschland als größter Beitragszahler der EU den Sitz von Galileo und die industrielle Führung.

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