Innovation
Fahrerlose U-Bahn soll 2008 starten

Am Steuer sitzt künftig der Computer: Im Frühjahr 2008 soll Deutschlands erste vollautomatische, fahrerlose U-Bahn in Nürnberg an den Start gehen. Den ersten Starttermin konnte Hersteller Siemens nicht einhalten - jetzt geht es darum, einen Imageschaden auszubügeln.

HB NÜRNBERG. ATO nennen die Fachleute den „virtuellen Fahrer“, der Deutschlands erste vollautomatische, fahrerlose U-Bahn sicher durch den Nürnberger Untergrund bringen soll. ATO steht für Automatic Train Operation (automatische Zugsteuerung): Damit beschleunigt der Zug, hält das Tempo, bremst und stoppt. Und ATO macht seine Sache bisher gar nicht schlecht, wie die ersten Testwochen im nächtlichen Spätverkehr gezeigt haben: Der Probebetrieb sei erfolgreich angelaufen, berichteten die Nürnberger Verkehrsgesellschaft VAG und der Siemens- Konzern bei einem Ortstermin in der Nacht zum Mittwoch.

Im Frühjahr 2008, gibt sich Siemens-Projektleiter Georg Trummer überzeugt, wird die U-Bahn den regulären Betrieb auf der neuen Linie U 3 aufnehmen. Ende 2008 soll dann auch die bestehende konventionelle Linie U 2 umgerüstet sein. „Wir schaffen es“, beteuert Trummer. Er steht unter Druck, denn für das Prestige der Siemens- Verkehrstechniksparte (Transportation Systems) ist es von großer Bedeutung, dass diesmal alles klappt.

Der Imageschaden war beträchtlich, als der Konzern im März einräumen musste: Der geplante Termin für die Inbetriebnahme im Herbst dieses Jahres ist nicht zu halten, da man für die Tests wesentlich länger brauchen werde. Die Projektleitung wurde ausgetauscht, das Team nochmals um 40 Köpfe auf 170 Mitarbeiter aufgestockt.

Besonders tief sitzt der Ärger bei der Stadt Nürnberg und der VAG, die die U 3 bei Siemens bestellt und für das 600 Millionen-Euro- Projekt neue Strecken und Bahnhöfe gebaut haben. Gerade hatte die VAG die Bedenken der Bürger gegen die fahrerlose „Geisterbahn“ halbwegs zerstreut. „Und dann passiert das“, seufzt VAG-Technikvorstand Rainer Müller. Derzeit rechnet man bei der VAG die Schadenersatzforderungen gegen Siemens zusammen. „Da kommt einiges zusammen“, sagt Müller.

Dennoch ist er vom langfristigen Nutzen der automatischen Bahn überzeugt. Halbierte Taktzeiten von nur noch 100 Sekunden, Personaleinsparungen, kürzere Wendezeiten, flexiblerer Zugeinsatz, geringerer Energieverbrauch und letztlich auch mehr Sicherheit für die Fahrgäste - dies seien die Vorteile.

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