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Kölner Kanalarbeiter fand nackte Venus

Sie ist splitterfasernackt, aber nur vom Hals bis zum Nabel erhalten: Kölner Kanal-Bauarbeiter sind jetzt unter dem Pflaster der Domstadt auf das Bruchstück einer römischen Venus gestoßen.

dpa KÖLN. Sie ist splitterfasernackt, aber nur vom Hals bis zum Nabel erhalten: Kölner Kanal-Bauarbeiter sind jetzt unter dem Pflaster der Domstadt auf das Bruchstück einer römischen Venus gestoßen.

Das wertvolle Fundstück aus italischem Carrara-Marmor war bei Ausschachtungen für einen Kanalstollen in fünf Metern Tiefe in der Innenstadt gefunden worden, sagte der Direktor des Römisch- Germanischen Museums in Köln, Prof. Hansgerd Hellenkemper, am Montag der dpa. Ein Fund dieser künstlerischen Qualität sei „extrem rar für das gesamte römische Deutschland“, betonte der Museumsleiter.

„Da in dieser Gegend weder Thermen noch Tempel gestanden haben, gehen wir davon aus, dass die Venus in ein reiches Privathaus gehört hat“, erklärte der Wissenschaftler. Sicherlich sei das edle Kunstwerk, römische Kopie einer in der Antike beliebten hellenistischen „Venus vom Kapitol“, gegen Ende des 1. Jahrhunderts in Italien geschaffen und „gut in Stroh verpackt“ nach Köln gebracht worden. Hellenkemper: „Die zarten Brüste weisen auf diese Datierung hin, später sind sie kräftiger modelliert worden.“

Möglicherweise habe die Venus bis zur Stadtzerstörung durch die Franken im Spätherbst des Jahres 355 im Haus ihres reichen Besitzers gestanden, vermutet Hellenkemper als Chef der Kölner Bodendenkmalpflege. Nach der Rückeroberung im folgenden Sommer habe der Venus-Torso dann eine wenig rühmliche Wiederverwendung als Füllmaterial im spätrömischen Straßenunterbau gefunden. Eine Chance, die fehlenden Arme, den Kopf oder Unterleib der Nackten aufzuspüren, sieht der Wissenschaftler nicht. Die „Venus von der Hohen Straße“ wird sich - sauber gewaschen - erstmals nach gut 1 650 Jahren am 6. November während der Langen Museumsnacht Kölns dem Publikum zeigen.

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