Koevolution
Das Wettrüsten in der Natur

Biologen erforschen, wie sich die die Arten in gegenseitiger Abhängigkeit entwickeln. Noch immer gibt ihnen die Interaktion von Organismen Rätsel auf. Warum die grundlegenden Begriffe von Charles Darvin jetzt wieder neue Aufmerksamkeit erhalten.
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DÜSSELDORF. "Nichts in der Biologie ergibt einen Sinn außer im Licht der Evolution." Der vielzitierte Ausspruch des Biologen Theodosius Dobzhansky bringt die dominierende Rolle der Evolutionstheorie in der Biologie auf den Punkt. Und er verdeutlicht die Bedeutung der Leistung von Charles Darwin, der vor 200 Jahren geboren wurde und vor 150 Jahren sein grundlegendes Werk "The Origin of Species" veröffentlichte.

Im "Lichte der Evolution" erklären sich auch alltägliche Naturbeobachtungen, wie zum Beispiel das Zusammenspiel von Bienen und Blütenpflanzen. Sie interagieren zum beiderseitigen Vorteil in einer Symbiose: Die Bienen bekommen Blütennektar als Nahrung, während die Blüten durch die Bienen bestäubt werden. Den Prozess, der zu solchen wechselseitigen Anpassungen zweier Arten (Koadaptionen) aufeinander führt, nennt man Koevolution.

Dass ein solches Zusammenspiel zu einer Abhängigkeit führen kann, stellte bereits Charles Darwin auf seiner Weltreise in Madagaskar fest: Um etwa an den Nektar in Orchideen-Blüten mit besonders langemBlütenfortsatz (Sporn) zu kommen, brauchen Schmetterlinge einen besonders langen Rüssel. Gäbe es also auf Madagaskar nur Orchideen mit langem Sporn, würden dort auf Dauer nur Schmetterlinge überleben, deren Rüssel lang genug ist, um den Nektar zu erreichen. Tatsächlich gibt es aber viele verschiedene Orchideenarten mit vielen verschiedenen Kelchlängen. Und für jede Kelchlänge entwickelte sich eine Schmetterling-Art mit passendem Rüssel - man spricht von Spezifität (Kasten).

Aber die Koevolution hat nicht nur friedliche Seiten, wie die Symbiose von Insekten und Blumen. Sie umfasst auch unsymbiotische Abhängigkeiten, etwa in einer Räuber-Beute-Beziehung. Ein klassisches Beispiel dafür sind der Schneehase als Beute und sein Räuber, der Polarwolf. Je mehr Beute, also Schneehasen, es in einer Gegend gibt, desto mehr Polarwölfe finden Nahrung und können sich erfolgreich fortpflanzen. Doch je mehr Polarwölfe es gibt, umso schneller dezimieren sie auch wiederum die Schneehasen. Die Beute wird knapper, weniger Polarwölfe finden genug Futter, ihre Population schrumpft wieder. Das wiederum gibt den Schneehasen erneut die Chance, sich zu vermehren.

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