Kostenloses Telefonnetz
Neue Hoffnung für die Internet-Telefonie

Die Entwickler von Skype haben einen feinen Sinn für Ironie. Mit ihrer Software, die an das Internet angeschlossene Computer mit Telefonfunktionen ausstattet, wollen sie den Telekommunikations-Markt durcheinanderwirbeln. Der Klingelton, der bei einem eingehenden Anruf aus dem Lautsprecher des Rechners dringt, ist dem schrillen Schellen alter Analogtelefone nachempfunden. Er klingt wie ein Abschiedsgruß an die gute alte Zeit, als Telefone noch Wählscheiben hatten und Unternehmen wie die Post mit der Gesprächsübermittlung viel Geld verdienten.

DÜSSELDORF. Die Skype-Software vereint zwei Technologien: Die Sprachübertragung über das Internet-Protokoll (Voice Over IP) und die Verknüpfung von Rechnern zu dezentralisierten Computernetzen per Peerto-Peer-Technologie (P2P). Letztere könnte Skypes Trumpfkarte werden.

Konzerne wie Siemens, Cisco oder Alcatel versuchen seit Jahren Internet-Telefonie populär zu machen – im Unternehmensbereich mit mäßigem Erfolg, im Privatkundenmarkt völlig vergebens. Den 37-jährigen Skype-Gründer Niklas Zennström schreckt das ebenso wenig wie das Scheitern von etlichen innovativen Startups, die hofften, durch den Versand von digitalisierten Sprachpaketen mit dem Rechner das Telefon ersetzen zu können.

Es wäre leicht, den wortkargen und öffentlichkeits-scheuen Schweden als einen der vielen substanzlosen Internetvisionäre abzutun, die versprechen, im Handstreich die digitale Welt aus den Angeln zu heben. Wenn da nicht die Tatsache wäre, dass Zennström genau das schon einmal geschafft hat. Mit Kazaa schrieb er eine Software, die heute die gesamte Musikindustrie in ihrer Existenz bedroht.

250 Millionen mal wurde das Programm herunter geladen, mehr als jedes andere auf der Welt. Kazaa ermöglicht den Austausch von Dateien über das Internet. Dabei sind die Computer ohne Vermittlungsrechner direkt miteinander verbunden. Über dieses P2P-Netz tauschen täglich drei Millionen Menschen Musiktitel und Filme in digitaler Form – vielfach auch urheberrechtlich geschützte Werke.

Die Piratenbörse ist das technologische Vorbild für Skype. Nachdem Zennström die Kazaa-Software angesichts drohender Prozesse der Musikindustrie verkauft hatte, nutzte er das Wissen seines Entwicklerteams, um eine Software zu entwickeln, die das Telefonieren über das Internet unterstützt. Das Programm ist gratis, extrem einfach zu bedienen und harmoniert reibungslos mit Firewalls und andere Netzwerkkomponenten. Diese Formel verhalf auch Kazaa zu seiner Popularität. Und: Wer über eine DSL-Leitung mit der Piratenbörsentechnologie telefoniert, tut das in einer überraschend guten Sprachqualität, die mit der traditioneller Telefonverbindungen vergleichbar ist.

Auf den ersten Blick erinnert Skype an Instant Messaging-Programme wie ICQ oder Microsofts MSN Messenger. Der Unterschied liegt unter der Oberfläche, sagt Zennström: „Skype ist von Grund auf als Telefonanwendung programmiert.“ Die Basis der Technologie ist der so genannte „Global Index“. Der dynamische Verzeichnisdienst beruht wie bei Kazaa darauf, dass etliche, über die ganze Welt verteilte Rechner die Dienste der Vermittlungszentrale gemeinsam übernehmen.

Das Prinzip der so genannten „Supernodes“ sorgt dafür, dass große Datenpakete rasant schnell zum Ziel kommen. Die Information, wo im Internet ein bestimmter Anrufer zu finden ist, ist bei Skype auf einigen hundert Rechnern gleichzeitig gespeichert. Das senkt die Zugriffszeiten, die entstehen, wenn etliche tausend Anwender wie bei anderen IP-Telefondiensten gleichzeitig zentralisierte Adressverzeichnisse ansteuern.

Alle Gespräche werden automatisch verschlüsselt, so dass unerwünschtes Mithören ausgeschlossen sind. Mit Skype können zwar noch keine regulären Festnetz- oder Mobiltelefon-Nummern erreicht werden, doch das Unternehmen arbeitet daran, auch das innerhalb der nächsten sechs Monate möglich zu machen, sagt Janus Friis, einer der Gründer von Skype.

Doch schon als proprietäres Kommunikationswerkzeug scheint sich Skype einer rasant wachsenden Nutzergemeinde zu erfreuen: Die Software wurde nach eigenen Angaben seit dem Start der Testversion vor zwei Wochen bereits 520 000 Mal heruntergeladen. Die Website hat bislang 200 000 registrierte Nutzer. Damit ist der neue Service schneller gewachsen als seinerzeit Kazaa.

Geld will Zennström mit Lizenzen für eine Premiumausgabe der Software und mit Zusatzdiensten wie der Verwaltung von Kontaktdaten verdienen. Eine andere Möglichkeit seien werbe-finanzierte Telefonangebote. Andere Start-Ups sind mit diesem Geschäftsmodell zwar gescheitert, doch Zennström verweist darauf, dass auch Kazaa bereits einige kühne Werbecoups gelungen sind. Sogar Microsoft nutzte die Piratenbörse als Plattform, um bei den Millionen technologie-begeisterter Nutzer für seine Produkte zu werben.

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