Krebs-Früherkennung
Prominente werben für Darmcheck

Bundestrainer Jogi Löw, TV-Moderatorin Barbara Schöneberger und Boxer Wladimir Klitschko meinen es ernst: Sie raten ihren Mitmenschen eindringlich zum Darmcheck. Neue endoskopische Verfahren erleichtern die Krebs-Früherkennung, verbessern die Diagnose und nehmen Patienten die Furcht.

BERLIN. In Deutschland sterben jährlich 29 000 Patienten an Darmkrebs. Anlass für die Felix-Burda-Stiftung, den März zum „Darmkrebsmonat“ zu erklären und ihre Aufklärungskampagnen mit prominenter Unterstützung zu forcieren. „Durch Früherkennung könnten nahezu alle Darmkrebsfälle verhindert oder geheilt werden“, sagt Stiftungs-Vorstand Christa Maar.

Endoskopische Verfahren haben die Diagnose und Behandlung von Darmerkrankungen revolutioniert. Mit einer Kamera in einem dünnen Schlauch kann der Arzt die Darmwand auf Entzündungen, Polypen oder Anzeichen für Krebs zu untersuchen. Durch denselben Schlauch lassen sich auch kleine Eingriffe durchführen. Bleibt jedoch das Kopfstück des Gerätes an der Darmwand hängen, kann der nachgeschobene Schlauch den Darm verformen und so genannte Darmschleifen bilden. „Das ist schmerzhaft und verlängert die Untersuchungszeit“, sagt Axel Eickhoff, Gastroenterologe und Endoskopie-Spezialist am Klinikum Ludwigshafen. In einzelnen Fällen könne das Koloskop zudem die Darmwand durchstoßen. Solche Schreckensszenarien sind freilich Gift für die Prediger der Vorsorgechecks.

Es geht auch schmerzarm: Ein neues Koloskop der US-Firma Neoguide Systems soll die Untersuchung angenehmer machen, indem es sich aktiv der Darmform anpasst. Ein Infrarotsender an der Spitze des Koloskops sendet konstant Informationen, in welche Richtung sich das Kopfstück weiterbewegt. Aus den Daten berechnet der Computer ein dreidimensionales Modell des Darms und richtet die 128 unabhängig voneinander bewegbaren Segmente aus. Wie eine Schlange bewegt sich das Koloskop durch die Windungen des Darms. Nachteil: Da für jedes einzelne Segment zusätzliche Drahtzüge nötig sind, ist es etwas dicker als herkömmliche Geräte.

„Mit dem neuen Koloskop konnten Schleifenbildung, Untersuchungsdauer und Schmerzen deutlich reduziert werden“, sagt Axel Eickhoff nach Tests an elf Patienten. Obwohl er die Patienten sedierte, ist Eickhoff davon überzeugt, dass Patienten mit dem Gerät in Zukunft ohne Sedierung untersucht werden könnten. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat auf Basis dieser Studie ihre Zustimmung zur Markteinführung des Gerätes gegeben, Mitte dieses Jahres werde es auf dem US-Markt erhältlich sein. „In Europa kommt das Gerät voraussichtlich Anfang 2008 auf den Markt“, sagt Eickhoff.

Winfried Voderholzer, Gastroenterologe an der Berliner Charitéverwendet eine noch schonendere Technik: Mit einer Kamera ausgestattete Kapseln werden vom Patienten geschluckt und filmen bei ihrer Passage durch den Darm die Wand. „Die Patienten können die Untersuchungszeit zu Hause verbringen“, sagt Voderholzer. Er wendet die Kapseln zur Untersuchung des Dünndarms bereits seit mehreren Jahren an.

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