Lösungsmodelle gesucht
Klimawandel verändert deutsche Flüsse

Jahrhundertfluten und intensive sommerliche Trockenperioden: Der Klimawandel wird Bäche und Flüsse in bisher ungekanntem Ausmaß verändern, meinen Experten. Künftig soll es sogar zu noch mehr Extremen kommen.

DÜSSELDORF. Häufige „Jahrhundertfluten“, intensive sommerliche Trockenperioden und die Versteppung ganzer Regionen erfordern Maßnahmen zum Schutz der Bäche und Flüsse. Das war gestern der Konsens auf einer Konferenz der Deutschen Umwelthilfe (DUH) über „Fließgewässerschutz im Zeichen des Klimawandels“ in Berlin.

Der Klimawandel wird Bäche und Flüsse in bisher ungekanntem Ausmaß verändern. „Wir werden es künftig mit mehr Extremen zu tun haben. Darauf müssen wir uns einstellen, das ist nicht mehr aufzuhalten“, sagte Jörg Rechenberg vom Umweltbundesamt im Gespräch mit der Deutsche Presse-Agentur. Während der Osten Deutschlands unter Wassermangel leiden dürfte, müsse sich die Alpenregion auf mehr Hochwasser einstellen.

Flüsse und Auenlebensräume reagieren sehr empfindlich auf Veränderungen des Wasserregimes und gelten daher als Indikatoren für Veränderungen. Dass schon heute die Güterschifffahrt auf der mittleren und oberen Elbe im Sommer wegen Wassermangels unmöglich wird, zeigt, wie sehr der rasche Wechsel von Trockenperioden zu Hochwassern das Verhältnis der Menschen zu den Flüssen verändern kann.

Ein Schwerpunkt der DUH-Tagung sind Lösungsmodelle für die deutschen Flusslandschaften. Markus Venohr vom Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin fordert, zur Verbesserung der Wasserqualität von Flüssen die Nährstoffeinträge vor allem der Landwirtschaft zu reduzieren.

Frank Neuschulz von der DUH berichtet über Projekte, ehemalige Feuchtwälder wieder zu „vernässen“. Dies helfe bei der wichtigen Aufgabe, das Oberflächenwasser länger als bisher in der Landschaft zu halten, statt es sofort dem nächsten „Vorfluter“ zuzuführen. Diese in den vergangenen Jahrzehnten oft zurückgedrängten Wälder sind auch aktive Klimaschützer. Laut Studien der Universität Greifswald binden zum Beispiel Erlenbruchwälder bis zu 30 Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr. Sie funktionieren so als Kohlenstoffsenke und können bei guter Wasserversorgung zusätzlichen Kohlenstoff im Boden und im Holzvorrat binden.

„In den meisten Fällen ist der finanzielle Aufwand und der notwendige Arbeitseinsatz bei einer Wiedervernässungs-Maßnahme gering“, sagt Neuschulz. Oft genüge es schon, ehemalige Gräben wieder zu verschließen, um den Grundwasserstand anzuheben und die Regeneration der Wälder einzuleiten.

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