Medikamente für Senioren
Bessere Therapien für alte Menschen

Noch vor kurzer Zeit wurde die Dosierung von Medikamenten diskutiert, da es kaum auf die Bedürfnisse von Kindern zugeschnittene Arzneimittel gibt. Dieses Problem gibt es aber auch am anderen Ende der Altersskala, denn obwohl Menschen über 65 mehr Medikamente einnehmen müssen als alle anderen, sind die Wirkungsweisen speziell bei Senioren kaum erforscht.

BERLIN/DÜSSELDORF. Pharmahersteller und -händler entdecken ältere Patienten als Kunden. Arzneifirmen wie Berlin-Chemie oder Servier untersuchen in klinischen Studien wie ihre Medikamente speziell bei Senioren wirken, und der Pharmahändler Assist Pharma entwickelt spezielle Verpackungen, die älteren Menschen die Einnahme ihrer Medikamente erleichtert. Beide Bemühungen haben das gleiche Ziel: Sie sollen die Wirksamkeit der Behandlung verbessern.

Alte Menschen werden bei der Entwicklung von Arzneimitteln bislang weitgehend vernachlässigt – mit gravierenden Auswirkungen auf die Qualität der Therapie. „Obwohl ältere Patienten die Hauptkunden der Arzneimittelhersteller sind, sind sie in klinischen Studien kaum vertreten“, sagt Cornel Sieber vom Institut für Biomedizin des Alterns der Universität Erlangen-Nürnberg. Zudem sei die Darreichungsformen der Medikamente oft nicht altersgerecht, reklamiert der Geriater.

Die über 65-Jährigen nehmen in Deutschland mehr als 50 Prozent aller verordneten Medikamente ein. Im Durchschnitt konsumiert jeder über 65-jährige täglich drei verschiedene Medikamente. „Es sind jedoch maximal zehn Prozent der häufig bei Alten eingesetzten Medikamente für diese auch geprüft worden“, sagt Cornel Sieber. In den meisten klinischen Studien liegt die Ausschlussgrenze bei 65 Jahren. Der Grund: Jede Abweichung der Probanden vom idealen Patienten mindert die Aussagekraft einer Studie. Ältere Patienten haben ein zunehmendes Sterberisiko, leiden häufig an mehreren Krankheiten zugleich und nehmen deshalb oft ein ganzes Arsenal verschiedener Medikamente.

Für die Altersmedizin ergeben sich daraus große Probleme: Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten vermindern beispielsweise im Alter häufig die Nierenfunktion. Das verlange bei der Dosierung ein hohes Maß an Erfahrung, sagt Sieber. Fehlt diese, dann hat das drastische Folgen: Unverträglichkeit und Wechselwirkungen sind ein häufiger Grund für Krankenhauseinweisungen und auch für Todesfälle.

„Nebenwirkungen von Medikamenten sind für 20 bis 25 Prozent aller Krankenhauseinweisungen mitverantwortlich“, sagt Martin Wehling, Facharzt für klinische Pharmakologie an der Universität Heidelberg. Mit Geriatern der Universität Mannheim hat Wehling daher ein Zentrum für Gerontopharmakologie gegründet, um die Arzneimitteltherapie älterer Menschen zu verbessern. „Die Kunst liegt hier in der Reduktion auf die wesentlichen Medikamente“, sagt Wehling. Bei seinen Visiten auf der geriatrischen Station setzt er häufig bis zu ein Drittel der von Hausärzten verordneten Präparate ab. Allerdings ist dies immer eine Gratwanderung. „Es gibt bislang keine auf Studien basierenden Empfehlungen, die helfen, aus der Überfülle möglicher Medikamenten-Kombinationen die richtigen auszusuchen“, bemängelt der Mediziner.

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