Medizin
RNA-Forschung lockt Pharmakonzerne

Die Möglichkeit, einzelne Gene einfach abschalten zu können, ist in greifbarer Nähe: Nachdem die entsprechende Forschung im letzten Jahr bereits mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, hat nun auch die Industrie diese Sparte für sich entdeckt. So hoffen unter anderem Roche und Astra-Zeneca auf neue Wirkstoffe und schmieden Kooperation mit Biotechfirmen.

FRANKFURT. Eine Technik zum Abschalten von Genen könnte künftig neue Wirkstoffe hervorbringen und die Entwicklung von Medikamenten deutlich beschleunigen. Dabei wollen die Hersteller den Ende der 90er Jahre entdeckten Zellmechanismus RNAi (Ribonukleinsäure-Interferenz) nutzen. Das unterstreichen Kooperationen großer Pharmakonzerne mit Biotechfirmen, die auf dieses Forschungsgebiet spezialisiert sind. So besiegelte Roche am Montag eine besonders umfangreiche Allianz mit der amerikanischen Firma Alnylam.

Roche zahlt in diesem Zusammenhang 331 Mill. Dollar direkt an Alnylam. Der Pharmakonzern übernimmt einen fünfprozentigen Kapitalanteil und ein 40 Mitarbeiter starkes Forschungszentrum im bayerischen Kulmbach. Einschließlich weiterer erfolgsabhängiger Zahlungen kann das finanzielle Volumen der Kooperation mehr als eine Mrd. Dollar erreichen.

Die Transaktion bewegt sich damit in ähnlichen Größenordnungen wie die 1,1 Mrd. Dollar teure Übernahme des RNA-Spezialisten Sirna durch die amerikanische Merck & Co Ende 2006. Novartis hatte bereits vor knapp zwei Jahren eine Kooperation mit Alnylam vereinbart. Und Ende vergangener Woche war auch Astra-Zeneca auf den Zug aufgesprungen, indem man eine Zusammenarbeit mit der britischen Firma Silence Therapeutics vereinbarte. Die Pharmakonzerne suchen mit diesen Deals Zugang zu einer Technologie, die in den letzten Jahren in der Wissenschaft für erhebliche Furore gesorgt hat und möglicherweise den Weg zu einer neuartigen Klasse von Pharmawirkstoffen eröffnet.

Bei RNA handelt es sich um eine Substanzklasse, die eng mit dem Erbmolekül DNA verwandt ist und als chemisches Bindeglied zwischen der genetischen Information in der DNA und den Eiweißstoffen (Proteinen) in der Zelle fungiert. In der Wissenschaft wurde die RNA lange vernachlässigt, ehe es Forschern in den späten 90er Jahren gelang, mit Hilfe kurzer, doppelsträngiger RNA-Moleküle die Aktivität bestimmter Gene „abzuschalten“ und die Bildung entsprechender Proteine zu blockieren.

Für die Entdeckung dieser so genannten RNA-Interferenz (RNAi) wurden die amerikanische Forschern Andrew Fire und Craig Mello 2006 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Sie gilt als wichtiger Durchbruch für die molekularbiologische Forschung. „Vor diesem Hintergrund versuchen Pharmafirmen intensiv, sich das entsprechende Know-how zu sichern“, sagt der Biologe Stefan Meyer von der Münchner Fonds-Beratungsgesellschaft Medical Strategy.

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