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Mediziner: Bald weltweit erste Gesichtstransplantation

Die erste Gesichtstransplantation weltweit steht nach Angaben von plastischen Chirurgen bereits in den nächsten Wochen bevor. Für den Eingriff habe ein US-Ärzteteam der Cleveland Clinic Fundation mehrere Menschen mit schweren Gesichtsverletzungen ausgewählt.

dpa MüNCHEN. Die erste Gesichtstransplantation weltweit steht nach Angaben von plastischen Chirurgen bereits in den nächsten Wochen bevor. Für den Eingriff habe ein US-Ärzteteam der Cleveland Clinic Fundation mehrere Menschen mit schweren Gesichtsverletzungen ausgewählt.

Das berichtete die neue Präsidentin der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen, Marita Eisenmann-Klein, in einem dpa-Gespräch.

Unter den Patienten sei eine junge Frau aus dem Irak, die bei einem Bombenattentat vollkommen entstellt worden sei, sagte Eisenmann-Klein. Derzeit warte man auf einen geeigneten Spender. Das wichtigste Kriterium sei die Gewebeverträglichkeit. Transplantiert werden Kopfhaut, Haut von Gesicht und Hals sowie die Hautmuskeln. Wegen der zahlreichen Nerven und Gefäße, die verbunden werden müssen, dürfte die Operation zwischen 24 und 36 Stunden dauern.

Die größte Sorge sei die Gefahr der Abstoßung. „Erfreulicherweise war die Abstoßungsreaktion im Tierversuch geringer gewesen als erwartet“, sagte die Medizinerin, die Direktorin am Caritas- Krankenhaus St. Josef in Regensburg ist. Vertrage der Patient das Spendergewebe nicht, müsse das Gesicht unter Umständen wieder abgenommen werden. Bei den weltweit bisher 24 Patienten mit transplantierten Händen hätten in zwei Fällen die Hände wieder amputiert werden müssen, in vier weiteren Fällen kämpften die Betroffenen mit wiederholten Abstoßungsreaktionen.

In jedem Fall muss nach Transplantationen das Immunsystem der Patienten lebenslang mit Medikamenten unterdrückt werden. Dennoch sei der Eingriff ethisch zu rechtfertigen, betonte Eisenmann-Klein. Menschen ohne Gesicht lebten völlig zurückgezogen, die Selbstmordrate sei unter diesen Menschen viel höher als im Durchschnitt.

Bei den nun für die erste Transplantation ausgewählten Menschen handele es sich um Patienten, denen anders nicht geholfen werden könne. Sie hätten keine Haare, keine Nasen und Ohren mehr. „Von ihrem Gesicht sei nichts übrig als Augen und Zähne“, berichtete Eisenmann- Klein. „Beim Anblick dieser Patienten bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass es vertretbar ist, diesen Versuch zu machen.“

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