Mercedes bringt weltweit erste Siebengang-Automatik auf den Markt
Getriebe mit mehr Gängen reduzieren den Benzinverbrauch

Das klassische Fünf-Gang-Getriebe im Auto bekommt Konkurrenz: In der Oberklasse haben sich in den letzten beiden Jahren Sechsgang-Automatiken längst etabliert, erste Wagen mit noch mehr Schaltstufen laufen bereits vom Band – und die Hersteller arbeiten an weiteren Innovationen.

DÜSSELDORF. Vorreiter ist Mercedes: Im September haben die Stuttgarter das weltweit erste serienmäßige Siebengang-Automatikgetriebe auf den Markt gebracht. Seitdem fahren die Achtzylindermodelle der E-, S-, CL- und SL-Klasse mit der neuen Technik.

Verglichen mit einem Fünfgang- Getriebe haben die sieben Übersetzungsstufen des so genannten 7G-Tronic einen entscheidenden Vorteil: Zwischen den einzelnen Schaltstufen liegen kleinere Drehzahlsprünge, die Spreizung zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Gang ist aber wesentlich größer. „Damit hat das Getriebe mehr Möglichkeiten, situationsabhängig zu schalten“, sagt Mercedes- Pressesprecher Gerd Eßer.

Im Durchschnitt sinken die Motordrehzahlen und damit auch der Spritverbrauch. Auf 100 Kilometern verbrennen die Autos je nach Modell um 0,6 Liter weniger gegenüber den Vorgängern. Zudem sind die Wagen leiser und beschleunigen um bis zu 0,3 Sekunden schneller von null auf 100 Kilometer pro Stunde. Tritt der Fahrer im laufenden Verkehr besonders kräftig auf das Gaspedal, bekommt er Unterstützung von der Steuerung. Sie erkennt die Situation und überspringt einzelne Gänge, der Wagen kommt schneller voran.

Mercedes plant, die neue Technik „sukzessive auf die anderen Modelle“ auszudehnen, sagt Sprecher Eßer. Mit den sieben Schaltstufen sieht er das Optimum für die nächsten Jahre erreicht: „Bei noch mehr Gängen würden wir Probleme mit der Baugröße des Getriebes bekommen.“

Die Konkurrenten setzen auf Automatikschaltungen mit einem Gang weniger. Als weltweit erstes Unternehmen präsentierte BMW auf der IAA 2001 eine Sechsgang-Automatik im neuen 7er, andere Hersteller folgten. Das Sechsgang-Getriebe findet man nun im Audi A8, im Jaguar XJ, im Phaeton von Volkswagen und seit diesem Jahr im neuen 5er BMW. Die Technik stammt für sämtliche Fahrzeuge von ZF Friedrichshafen.

Europäer legen am liebsten die Gänge selbst ein

Der Zulieferer hat auch ein Handschaltgetriebe mit sechs Gängen entwickelt, das unter anderem im 3er BMW und im Porsche Cayenne steckt. „Mit sechs Gängen vereinen sich die Vorteile weniger Sprit-Verbrauch und bessere Beschleunigung“, sagt ZF-Sprecher Klaus Hader.

Noch immer legen die meisten Europäer am liebsten selbst die Gänge ein – rund 85 % aller neuen Autos haben ein Handschaltgetriebe. Bei vielen hat Automatik den Ruf, nur träge auf die Fahrer-Wünsche zu reagieren. Deshalb haben Volkswagen und Audi ein Sechsgang-Automatikgetriebe entwickelt, das „noch sportlicher ist als eine Handschaltung“, sagt Audi-Sprecher Udo Rügheimer.

Das System heißt Direktschaltgetriebe (DSG) und stammt aus der Rennsportabteilung des Konzerns. Der Clou: Die Schaltung besteht aus zwei Kupplungen, die zeitgleich arbeiten. Die eine bedient die geraden, die andere die ungeraden Gänge. Ein Beispiel: Während das Auto noch im vierten Gang fährt, ist der fünfte bereits eingelegt – aber noch nicht aktiv. Ist der optimale Schaltzeitpunkt erreicht, öffnet sich die eine Kupplung und die andere schließt. Das Ganze dauert nur wenige Hundertstel Sekunden. „So bietet das Auto jederzeit die gewünschte Zugkraft“, sagt Volkswagen-Sprecher Harthmuth Hoffmann. Zunächst gab es das Direktschaltgetriebe im Golf R 32, im Audi TT und einigen A3-Modellen. Ende September folgte der Kompaktvan Touran.

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