Mit neuer Technologie will die Regierung heimische Firmen fördern
China setzt auf eigenen Handy-Standard

China ist seinem Ziel einen guten Schritt näher gekommen, einen eigenen Standard für die dritte Mobilfunk-Generation (3G) zu etablieren. Staatliche Zeitungen melden zu Wochenbeginn, das Institute of Posts and Telecommunications in der zentralchinesischen Stadt Chongqing habe ein Handy für den von Siemens und dem chinesischen Telekom-Unternehmen Datang seit 1998 gemeinsam entwickelten 3G- Standard vorgestellt.

PEKING. Das 3G-Handy ist nicht nur das erste in China, sondern auch das erste für TD-SCDMA in der Welt“, wird Zhen Jianhong zitiert, ein Professor am Post- und Telekom-Institut und einer der Entwickler des Gerätes. „Wir wollen das Handy nächstes Jahr in kleiner Zahl fertigen und in Großserie ab 2005“, kündigt Jianhong an. Analysten vermuten, Chinas Regierung zögere die Lizenz- Vergabe für 3G hinaus, bis für den relativ neuen und technisch noch nicht ausgereiften Standard TD- SCDMA (Time-division synchronous code-division multiple access) Handys verfügbar seien. Die Forscher in Chongqing haben bereits eine Firma gegründet, um das neue Gerät zu vermarkten

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Die Chinesische Mobilfunk-Technologie konkurriert mit dem US- Standard CDMA2000 von Qualcomm und dem von Ericsson und Nokia unterstützten europäischen WCDMA-Standard. China hat vor ein paar Tagen angekündigt, die neue TD-SCDMA-Technologie an alle Bewerber zu vergeben. Lokale chinesische Betreiber sollen sie kostenlos erhalten, zumindest aber 30 % günstiger als das, was Qualcomm oder die europäischen Technologie- Konkurrenten für ihre Standards verlangen.

China geht es darum, Milliarden Dollar an Gebühren für fremde Technologien zu sparen und heimischen Herstellern von Endgeräten und Ausrüstungen ein lukratives Geschäftsfeld zu eröffnen. Im vergangenen Jahr hat China eine Allianz von acht lokalen Firmen zur Förderung des TD-SCDMA-Standards gegründet. Bei einem Industrie-Forum für den neuen Standard bekräftigte die chinesische Regierung im August erneut ihre Unterstützung für TD-SCDMA. „Wir messen dem Standard große Bedeutung bei und wir werden keinen Aufwand scheuen, um die Vermarktung von TD-SCDMA zu forcieren“, sagte Zhang Xiaoqiang, Generalsekretär der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission, bei der Konferenz. Datang hat für die Produktion von Geräten des 3G-Standards bereits Kooperationen abgeschlossen.

Der Siemens-Konzern hat – über seine Partnerschaft mit Datang hinaus – Ende August die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens für 100 Mill. Dollar mit dem südchinesischen Telekom-Ausrüster Huawei bekannt gegeben, um TD- SCDMA-Technologie marktreif zu entwickeln und zu verkaufen. Der deutsche Konzern hat in diese Technologie nach eigenen Angaben über 170 Mill. Dollar investiert und 160 Mitarbeiter für das Joint Venture mit Huawei abgestellt. Die ersten marktfähigen Produkte für den TD-SCDMA-Standard will das Gemeinschaftsunternehmen Anfang 2004 präsentieren.

Siemens gab zudem im September seine Entscheidung bekannt, den weltweit zweiten Produktionsstandort von Handys mit der WCDMA-Mobilfunktechnik nach Schanghai zu vergeben. Das Unternehmen will damit versuchen, eine Führungsrolle im chinesischen Markt für den Mobilfunk der dritten Generation zu übernehmen. Siemens Mobile will 30 Mill. Dollar in das Werk in Schanghai investieren. Eine breitere Anwendung der TD- SCDMA-Technologie wird in China nicht vor dem Jahr 2005 erwartet.

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