Nanotechnologie
„Mit dem Quantencomputer muss man Geduld haben“

Ein neues europäisches Forschungszentrum hat in Portugal seine Arbeit aufgenommen, um die Nanotechnologie voranzutreiben: Neue Erkenntnisse über Prozesse und Zusammenhänge in der Welt der Moleküle und Atome sollen für Computertechnik, Medizin oder Umwelttechnik genutzt werden.
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FRANKFURT/MAIN. Das International Iberian Nanotechnology Laboratory (INL) biete sehr gute Perspektiven für eine erfolgreiche Forschungsarbeit, sagt Professor Thomas Jovin vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen, der dem International Advisory Board des INL angehört. „Aber es ist problematisch, die Spitzenleute zu finden, da muss man etwas anbieten, das konkurrenzfähig ist.“

In den Labors in der Stadt Braga sollen 200 Forscher an ihren Projekten arbeiten. Zur Zeit läuft noch die Bewerbungsphase für die Forschungsstellen. „Deutschland hat auf diesem Gebiet viel zu bieten“, so der in Argentinien geborene Wissenschaftler. Vor allem in München und Berlin gebe es da ein großes Potenzial. Die USA seien in der Nanotechnologie keineswegs weiter als Europa.

In ihrem noch bis 2013 laufenden Rahmenprogramm für Forschung und technische Entwicklung hat die EU 3,5 Mrd. Euro für die Nanotechnologie bereitgestellt. Die Ausstattung der Labors sei ziemlich aufwendig, „das kann sich nicht jeder leisten“, erklärt Jovin. Für das neue Forschungszentrum seien gute Voraussetzungen geschaffen worden. Insgesamt aber müsse noch mehr getan werden. „Wenn man alle Ausgaben der Gesellschaft betrachtet, ist das, was man für die Forschung ausgibt, relativ gering.“

Als erste internationale Forschungseinrichtung für Nanotechnologie in Europa soll sich das INL vier Schwerpunkten widmen - der Nanomedizin, dem Umwelt-Monitoring, der Nahrungsmittelkontrolle und der Nanoelektronik. In allen vier Bereichen gebe es gute Chancen für einen Durchbruch, sagt Jovin. „Die Nanoelektronik ist sicher interessant und vielversprechend.“

Wie steht es mit der Entwicklung eines Quantencomputers? In der öffentlichen Wahrnehmung ist es etwas ruhiger geworden um dieses Konzept, das Informationen nicht mehr mit Hilfe elektrischer Spannungszustände verarbeiten will, sondern mit der Erfassung von Eigenschaften innerhalb von Atomen oder Molekülen wie dem „Spin“ von Elektronen. Jovin sagt, es seien in letzter Zeit einige Arbeiten auf diesem Gebiet erschienen, die Fortschritte beschrieben. „Man kommt voran. Aber man muss Geduld haben.“ Ob sich das INL mit dem Quantencomputer beschäftigen werde, hänge davon ab, ob die entsprechenden Forscherpersönlichkeiten nach Braga geholt werden könnten.

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